Info
17.02.2014, 16:29 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
images/lpbblogs/logenlogo_164.jpg
Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [352]: EIn hektischer Autor liegt nicht allein im Bett

https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbblogs/loge/klein/loge352_jpundponto_500.jpg
Der berühmte Scherenschnitt: Jean Paul und sein Pudel Ponto

Der Autor meldet sich als Autor zurück: als „hektischer“ Autor. Ich lerne, dass Hektik eine Krankheit ist, die von „hecticus“ abstammt und die Schwindsucht bezeichnet; schon die Unterschrift der Kapitelüberschrift beginnt mit dem Terminus. Er huste sich der Ostermesse entgegen, schreibt „Jean Paul“, der den 32. Sektor zudem datiert hat: auf den 16. November. Sollte Jean Paul das Kapitel in dieser Zeit geschrieben haben, spräche dies für ein ungeheuer rasantes, geradezu hektisches Schreibtempo; dass ihm da gelegentlich ein „müssen“ oder „können“ abhanden, müssen wir ihm nachsehen. Der Kommentar hat diese Auslassungen in den letzten Tagen schon zweimal vermerkt.

Und was tut man vor 230 Jahren gegen „Hektik“? Man bringt Tiere in Stellung, insbesondere aber Hunde. Jean Paul, der Hundenarr, darf sich seine Scherze mit den Tieren erlauben, die er für heilig hält: „Muss ich nicht ohnehin alle Nacht zwischen den Armen von zwei Pudeln schlafen, die ich mit meiner Lungensucht anstecken will, wie ein Ehemann von Stande?“ Ein Herr Nadan de la Richebaudière würde diese Hundekur empfehlen, ja: eine halbe Hunde-Menagerie sei zum Auslader eines einzigen Menschen nötig. Immerhin empfindet er Skrupel, die der Mensch Jean Paul niemals hätte äußern müssen, weil er seinen Hunden niemals eine derartige Gegen-Therapie aufgezwungen hätte: „Ich will den Schaden sogar verschmerzen, den meine Rechtschaffenheit dabei leidet, weil ich mich gegen die armen einsaugenden Hunde, deren Lungenflügel ich lähmen und beschneiden will, so freundlich wie Große gegen die Opfer ihrer Rettung stellen muss.“

Natürlich hätte sich der Erzähler auch damit bescheiden können, in frisch gepflügten Furchen zu spazieren (wie es die Engländer empfehlen) oder nach schwedischer Sitte die Luft der Viehställe zu atmen – aber dann wäre ihm dieser grausame Scherz entgangen – und für einen guten Scherz tut der junge Autor denn doch noch manches, was er später, glaube ich, bereut hat.

 

Ein paar arme Hunde, veröffentlicht von Joseph Anton Ignaz Edlem von Baumeister (in: Die Welt in Bildern vorzüglich zum Vergnügen und Unterricht der Jugend, Wien 1791)



Kommentar schreiben