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30.12.2013, 13:22 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [311]: Noch ist das Jean-Paul-Jahr nicht zu Ende

Man sieht: es geht auf Neujahr zu – übrigens auch in der Loge, denn nach Weihnachten und dem ersten Weihnachtstag folgt, wenn die Welt nicht untergeht, wie es so schön in Frau Luna heißt, der Tag vor Silvester. In Bayreuth haben die Gewaltigen bereits Schluss gemacht mit dem sog. Jean-Paul-Jahr – diese übereifrigen Toren! Wissen sie nicht, dass in der Markgrafen-Buchhandlung (die übrigens zunächst nach dem Dichter benannt werden sollte, was von einer gegnerischen Buchhandlung mit einem kleingeistigen juristischen Trick verhindert wurde) noch am vor- und am letzten Tag des Jahres – wie an allen anderen Arbeitstagen und Samstagen des Jahres – zehn bis 15 Minuten Jean Paul (sinnigerweise die wunderbare, wunderbar dunkle Neujahrsepisode des Siebenkäs) gelesen werden? So dass die Buchhandlung am Sternplatz am Ende dieses Jahres auf ca. 42-45 Stunden rezitierten Jean Paul kommen wird? Was ja wohl rekordverdächtig ist – aber, jenseits des Guinness-Einschlags, vor Allem ein entscheidendes geistiges Potential verrät: den Dichter nicht mit Bier und Festreden[1] noch mit kompliziertesten Texten unters sogenannte Volk gebracht zu haben.

So erreichte man mit Geist, nicht mit irgendeinem schnell verfliegenden „Event“ oder einer Katzenmusik „nach“ Jean Paul, nicht mit drittklassigen Illustrationen oder fehlerbehafteten Säulen – so erreichte man in der „Jean-Paul-Stadt“ Bayreuth, sag' ich, über 3000 Zuhörer, darunter natürlich einige Dauer-Abonnenten, einige literarische Triebtäter, die kein Wort des Dichters verpassen wollten. Texte aus der Unsichtbaren Loge waren immer wieder dabei; richtig eingebettet mussten sie noch dem jeanpaulfernsten Zuhörer einen starken Eindruck von diesem kaum gelesenen Roman geben.

Auch dafür war das Jean-Paul-Jahr gut, das ja, siehe oben, immer noch läuft.

 

Kurzer Appendix über kurze Namen

Putz, Funk, Ries – so hießen die Hauptleser der langen Lesereihe.

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[1] Die gab es in der Buchhandlung freilich auch – doch als Zusatz, nicht als Haupteinlage der Suppe.

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