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05.11.2013, 12:42 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [272]: Abschweifungs-Abschweifung oder Mendelssohn Bartholdy empfiehlt Jean Paul

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Robert Schumann war nicht der einzige große, noch uns Heutige bereichernde und beglückende Komponist der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der sich intensiv mit Jean Paul befasste. Felix Mendelssohn Bartholdy – auch er ein „Leipziger“ – empfahl am 4. Februar 1843 der Madame Emma Preußer[1] den Dichter:

Verehrte Frau!

Beifolgend der verlangte Siebenkäs. Möge er Ihnen nur halb so viel Freude gewähren, wie er mir beim ersten Lesen und seitdem immer wieder. Ich glaube, es sind von den frohesten Lebensstunden, wo man ein solches herrliches Werk kennen und lieben lernt. Da Sie wenig von Jean Paul gelesen haben, so würde ich mich an Ihrer Stelle nicht viel um die Vorreden bekümmern, die Blumenstücke aber für's Erste ganz und gar überschlagen und gleich beim Anfange des Buches, Seite 26, beginnen und so die Geschichte des Siebenkäs bis zu Ende verfolgen. Haben Sie die erst gelesen und etwa noch die Flegeljahre und einige seiner andern wundervollen Werke, dann wird Ihnen gewiß Alles an ihm lieb und werth, – auch das Mühsamere – auch das weniger Gelungene – oder Veraltete, – und dann werden Sie die Blumenstücke, die Vorreden, den Traum im Traum u. s. w. auch nicht missen wollen.

Sobald Sie etwas Neues von ihm brauchen, empfiehlt sich (aber freilich auch schon vorher) angelegentlichst Ihnen und den lieben Ihrigen allen Ihr

                                                                                  ergebenster

                                                                       Felix Mendelssohn Bartholdy

Der Brief wurde, wenn ich es richtig sehe, von der Jean-Paul-Rezeptionsforschung bislang übersehen. Für die Loge interessant ist dieser Passus:  und einige seiner andern wundervollen Werke. Meinte Mendelssohn damit auch Jean Pauls ersten Roman? Ich schließe es nicht aus.

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[1] Man findet dieses Schreiben im II. Teil der von den Paul und Carl Mendelssohn Bartholdy herausgegebenen Briefsammlung. Die 26jährige Emma Preußer geb. von Gutschmid war mit dem verwitweten Kaufmann Gustav Louis Preußer verheiratet und starb nach 1895.



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