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09.10.2012, 15:54 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [11]: Über die Weite im Innen und im Außen

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Auch er, der Dichter und Denker der Utopie, kannte seinen Jean Paul: Ernst Bloch. (Foto: Fotoarchiv Hoffmann/BSB)

Jean Paul ist ein Dichter der Wunschlandschaften. „In diesen Gegenden ist alles still, wie in erhabnen Menschen.“ Dass er bei Ernst Bloch, im Prinzip Hoffnung vorkommt, hat einen guten Grund. Das Italien des Titan war für Jean Paul, so Bloch, „Fernzauber“, dahinter lag fortbedeutende Gelungenheit – das Unvergängliche ist nur ein Gleichnis“, und dann spricht Bloch vom „utopischen Empfang, durch die Chiffern großer Natur“. In diesem Sinne hat das Fichtelgebirge nie existiert, weil es niemals einen derartigen Sonnenuntergang gab.

Andererseits: Was ist „Wirklichkeit“? Wenn das Böse ebenso nur im Gehirn ist, dann ist es auch das Gute – und alle Erkenntnis einer äußeren Realität ist so wahr wie die Bilder, die der Mensch und Dichter sich von ihnen macht. Bei Nord-Osten, sagt er, „lodere für unser Herz die neue Morgenröte auf“. Im August 1792 schreibt er das, er sitzt in seiner Stube, es ist ein Kriegssommer, Preußen und Österreicher marschieren gen Westen, das Schlimmste steht noch bevor. Der Dichter beschreibt schon mal den Untergang – der Sonne, er findet zu einzigartigen Hyperbeln: Grab, Elysium, Goldstufe, Goldadern, Nacht-Schlacken, Schlafstätte der ruhenden Riesen, gaukelnder Nachtschmetterling: unter diesen Schlagworten findet man das wieder. Die Landschaft wird zum Medium eines Größeren, Transzendentalen: „und rund um die große Szene zieht sich wie um unser Leben ein hoher Nebel.“ Der Schluss aber ist so kurz wie offen, offen ins Weite eines Innen, das ein Außen birgt, und in ein Außen, das von Innen erlebt werden kann:

Ich trat hinaus – –



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