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02.07.2013, 09:29 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [190]: Schattenreiche und stumme Kabinette

Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist... dann hängt man Äolsharfen in die Bäume. Lange, bevor Jean Pauls Töchter Äolsharfen in die Bäume des Gartens an Jean Pauls letztem Wohnhaus in der Friedrichstraße hingen, um den Vater poetisch zu inspirieren, sprach er über die romantischen Klanginstrumente: „Wenn ihr an des stummen Kabinetts dreifachem Gitter Alphörner und Äolsharfen lehnen sehet: so müssen euere Seelen die Harmonien im Einklang nachbeben.“ Der Erzähler fordert die beiden Freunde förmlich auf, sich zu versöhnen, und er schickt sie dorthin, wo man auf Ruhestatt schauen kann, ein von einem Brand zerstörtes Dörfchen. Die romantische Staffage enthält noch mehr: Blumeninseln, ein Schattenreich und das erwähnte stumme Kabinett. Die Blumen stehen jeweils allein für sich, im Schattenreich wurde die Natur durch Gitterwerk domestiziert, das Kabinett ist ein unheimlicher Ort, den man nicht betreten darf: über jeder der beiden Türen, „die durchaus keine Hand aufschließen durfte als die der Fürstin“, hängt ein nun zerstörter Flor.

Und hier soll die Versöhnung stattfinden? Es wird schwierig werden, denn auch Amandus liebt Beata: „Hätt' ich auch in der rechten Hand das, was ich liebe.“ Ein unglückliches Bekenntnis, das Amandus nur deshalb machen kann, weil er den Zweiten, also Gustav auch liebt. Was soll der nun mit Amandus' Liebe anfangen? Was würden die Äolsharfen dazu sagen? Es passt schon, dass ganz in der Nähe die Trümmer stehen, die schattigen, stummen Einbauten einer Seelenlandschaft, die von Zauberwesen wie Beata besucht werden.



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