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15.10.2012, 15:06 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [14]: Nachgereichte Fußnote als Bildunterschrift bzw. Bildunterschrift als nachgereichte Fußnote (samt fehlendem Blog-Eintrag) über die Lektüre der Lektürenotizen eines großen, nein: eines sehr großen Jean-Paul-Lesers

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War Theodor Fontane (1) ein Jeanpaulianer? Zumindestens war er ein gelegentlicher Jean-Paul-Leser, der zu einem typisch eigenständigen, letzten Endes erstaunlichen Urteil fand (wenn man es mit einem Spottwort wie Nietzsches Wort von Jean Paul als „Unglück im Schlafrock“ vergleicht). In einem Band mit Fontanes Aufsätzen zur Literatur(2) finde ich eine Aufzeichnung zu Dr. Katzenbergers Badereise, die Fontane 1872 gemacht hat; sein erster Roman war noch nicht entstanden. Der Rezensent ist nicht unzufrieden, bei allen Einschränkungen: guter Aufbau, ein lebenswahrer Charakter („allerdings zu lebenswahr, so daß darüber die Schönheit verlorengeht“), die langen Reden eine „künstlerische Verirrung“ - aber nicht antiquiert, nur, fragt sich der Autor der späteren meisterhaften Romane und Erzählungen: Wer soll das heute noch lesen? „Literarische Leute von reiferen Jahren“. Da hat er Recht behalten: die Leser der Schmonzetten von Frau K. und Herrn C., um nur zwei herausragend flache Namen zu nennen, werden Jean Paul nicht lesen können, denn schon mit Fontane hätten sie Schwierigkeiten (aber sie müssen das ja nicht lesen). „Diese „ - die literarischen Leute - „finden auf jeder Seite ein Goldkorn, das ganze moderne Novellen aufwiegt und vergessen darüber den umgebenden Häcksel, der wirklich nur Pferdefutter ist. Sieben Achtel ist Quatsch, das achte Achtel aber hält nicht nur schadlos, sondern gibt noch einen erheblichen Überschuss. Sahara, aber welche Oase darin!“ So konnte nur ein Autor schreiben, dem es fern lag, hohle Lobesworte über Bücher auszugießen, die andere weniger verstanden als nur lasen. Da zeigt sich der ganze Fontane, den ich wie kaum einen zweiten schätze: ein Ehrenmann, der noch in der Kritik fein differenziert. (1) Den und dessen Werke der Verfasser dieses Blogs seit Jahrzehnten herzlich liebt – aber das nur nebenbei. (2) Meine Ausgabe enthält, was in meiner Bibliothek eher selten ist, einen Eintrag: ich erwarb den Band am 8. September 1994 im Antiquariat Heiner Henke am Domplatz 2 in Passau. Da sitzt er immer noch, in der schönen Ecke zur Luragogasse, mit Blick auf die herrliche Barockfassade des Doms und die 1824 entstandene, von Christian Jorhan modellierte Statue des ersten bayerischen Königs Max Joseph I., der den Dichter 1820 in München empfing.


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