Ilse Schneider-Lengyel: Photographie „Masque noir“

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Foto: Bayerische Staatsbibliothek, Nachlass

Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.

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Photographie ausgestellt bei der Verleihung des Grand Prix 1937 Paris: Masque noir, Elfenbeinküste, Westafrika, 24 x 18 cm; Ana 372, Schachtel 14, Masken u. Holzfiguren: Afrika

Ilse Schneider-Lengyel (1903-1972) hatte am 19. Februar 1966 ein Testament verfasst und darin verfügt: „Sämtliche Bücher aus meiner Bibliothek inklusive meiner 17 selbst publizierten Bücher vermache ich der Bayerischen Münchner Staatsbibliothek, sämtlich befindlich: Seegut Bannwaldsee 8959 Schwangau, Allgäu“. Die Bibliothek Schneider-Lengyels war nach ihrem Tod nicht mehr vorhanden. Angeboten wurde der Bayerischen Staatsbibliothek von der ausführenden Kanzlei jedoch eine Kiste Manuskripte und eine Kiste mit Photos, Negativen, Briefen, persönlichen Aufzeichnungen, Zeitungsausschnitten usw., die im Testament keine Erwähnung finden. Es ist für die Forschung ein glücklicher Umstand, dass das Material auf diesem Weg erhalten geblieben ist, zentral in seiner Bedeutung, weil Schneider-Lengyel, obwohl literarisch äußerst produktiv, nur wenige dieser Werke zu Lebzeiten veröffentlichen konnte und der Nachlass zahlreiche Manuskripte enthält.

Bekannt wurde Ilse Schneider-Lengyel als Photographin. Sie gehörte zur ersten Generation Frauen, welche die Akademien und Universitäten besuchten und anschließend reüssierten. 1933 eröffnete sie ein eigenes Studio für Gebrauchsgraphik in München. Anfang 1934 erschien ihr Buch Die Welt der Maske im Piper Verlag. Der Band präsentiert 80 Photographien von Masken aus unterschiedlichen Kulturen und Zeiten, die Schneider-Lengyel in Museen und privaten Sammlungen aufgenommen hatte. Ihre Aufnahmen erstellte sie aus ungewöhnlichen Blickwinkeln und schnitt die Gesichter an. 1934 erfolgte die Emigration nach Paris, wo ihr 1937 der „Grand prix“ für Portraitphotographie verliehen wurde. Sie veröffentlichte während der folgenden Jahre 13 großformatige Kunstbildbände.

© Archiv Bayerische Staatsbibliothek

Da es während des Krieges weniger Photoaufträge gab, arbeitete Ilse Schneider-Lengyel im Exil unter dem Eindruck der Auswirkungen des nationalsozialistischen Terrorregimes schriftstellerisch. 1946 kehrte sie nach Deutschland zurück. Sie machte die Bekanntschaft von Hans Werner Richter und Alfred Andersch, die Ilse Schneider-Lengyel neben anderen Autoren für die Mitarbeit an der Zeitschrift Der Ruf gewinnen konnten. Für eine geplante Zusammenkunft bot Ilse SchneiderLengyel sich als Gastgeberin an, so dass das erste Treffen der nachträglich so benannten „Gruppe 47“ am 6./7. September 1947 in ihrem Haus am Bannwaldsee stattfand. 1952 veröffentlichte sie den Gedichtband september-phase in Alfred Anderschs Reihe „studio frankfurt“. Es ist neben der 1949 erschienenen, heute verschollenen Sammlung Spielplatz und Wüste Schneider-Lengyels einziges im Druck erschienenes lyrisches Werk. 1969 wurde Ilse Schneider-Lengyel in das Psychiatrische Landeskrankenhaus Reichenau eingeliefert, wo sie vier Jahre später starb.

Sekundärliteratur:

Arns, A. M.; Drummer, H. (2017): Ich bin als Rebell geboren. Ilse Schneider-Lengyel. Frankfurt/M.

Braun, P. (2019): Ilse Schneider-Lengyel. Fotografin, Ethnologin, Dichterin. Göttingen.

Leuscher, U. (2010): Ilse Schneider-Lengyel, die Frau aus dem „Anderswo“. In: Zur Präsenz deutschsprachiger Autorinnen (treibhaus 6). Stuttgart, S. 125-157.