Emma Klingenfeld: Variation über „Kommt a Vogerl geflog‘n“

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Alle Bilder © Archiv Klingenfeldiana IV / Bayerische Staatsbibliothek

Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.

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Typoskript, 1933/34, 21 x 29,5 cm; Klingenfeldiana IV

Emma Klingenfeld wurde 1848 in Nürnberg geboren. Sie wuchs in einem gebildeten und gut situierten Elternhaus auf, ihr Vater war Mathematikprofessor. Emma Klingenfeld entdeckte früh die nordische Literatur für sich und begann, intensiv die skandinavischen Sprachen zu erlernen. 1868 zog die Familie nach München in die Maxvorstadt um, da der Vater eine Professur an der technischen Hochschule antrat. Dort fand Emma Klingenfeld schnell Aufnahme in den Kreis um den Schriftsteller Paul-Heyse, von dem in ihrem Nachlass mehrere an Klingenfeld gerichtete Briefe erhalten sind. Klingenfeld las Henrik Ibsens Werke, für die sie sich sehr begeisterte. Als erstes Stück übersetztes sie dessen Nordische Seefahrt. Im ersten Jahr von Ibsens Aufenthalt in München, wo dieser von 1875 bis 1891 lebte, legte sie ihm ihre Übersetzung vor. Ibsen autorisierte Klingenfelds Übersetzung und bei der Aufführung im April 1876 im Münchener Hoftheater wurde sie verwendet. Klingenfeld blieb mit Ibsen in Kontakt und übersetzt seine Frühwerke. Auf Reisen nach Oslo und Kopenhagen wurde sie auf den Norweger Bjørnstjerne Bjørnson (1832-1910) und die Dänen Frederik Paludan-Müller (1809-1876) und Holger Drachmann (1846-1908) aufmerksam und übersetzt auch Werke dieser Schriftsteller.

Klingenfeld dichtete auch selbst. Viel Humor beweist z.B. ihre Variation über das Lied „Kommt a Vogerl geflog’n“, die sie im Alter von 87 Jahren verfasste. Sie reiht die verschiedenen Stilmittel, derer sie sich bedient, alphabetisch aneinander und schreibt etwa im „Hildebrandston“: „Ein Liedchen will ich singen / Und künden frohe Mär: / Ein Vöglein tät sich schwingen / Von meiner Liebsten her. / Das bringt mir liebe Grüße, / Die sie im Brief mir schrieb; / Nun weiß ich, daß die Süße / Getreu und hold mir blieb“.

Verschiedene Variationen über das Lied „Kommt a Vogerl geflog’n“ von Emma Klingenfeld

Zudem führte Klingenfeld von 1880 bis 1935 Tagebuch. Ihre Aufzeichnungen befassen sich vorwiegend mit ihrem Alltag, aber auch mit dem Zeitgeschehen. Bisher wurden die Tagebücher kaum ausgewertet, obwohl eine nähere Beschäftigung mit diesem Material sehr fruchtbringend sein könnte. Auch Teile von Klingenfelds Korrespondenz sind erhalten, darunter Briefe von bekannten Autorinnen und Autoren wie Wilhelm Hertz, Wilhelm Jensen, Frieda Port, Helene Raff und Maximilian Schmidt.

Neben ihrer Tätigkeit als Übersetzerin engagierte sich Klingenfeld in der bürgerlichen Frauenbewegung, der sie bereits 1897 beigetreten war. Ab 1913 war Klingenfeld Mitglied des Münchner Schriftstellerinnenvereins. Mit dessen Gründerinnen Emma Haushofer-Merk und Carry Brachvogel, die beide als Schriftstellerinnen und Frauenrechtlerinnen aktiv waren, verband sie eine enge Freundschaft. Klingenfeld starb 1935 in München.