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(c) Carl-Stumpf-Bibliothek
Schlossplatz 2
97353 Wiesentheid
Öffnungszeiten: Mo, Mi, Do: 15.30-17.30 Uhr; Fr: 17.30-19.30 Uhr
Telefon: 09383/994071
Website
E-Mail: info[at]carl-stumpf-bibliothek.de

Carl-Stumpf-Bibliothek

Als der Junker Hans Fuchs im Jahr 1576 sein „Sitzlein“ – ein Vorläuferbau des heutigen Schlosses – in Wiesentheid erweitert, muss der Pfarrhof des Ortes weichen, der sich auf dem verplanten Areal befindet. Die Pfarrerswohnung wird in einen Bauernhof verlegt, das Anfang des 18. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgerissen wird. An seiner Stelle wird ab 1709 ein Pfarrhof errichtet, Baumeister ist Johann Dientzenhofer (dem man womöglich auch den Bau der Villa Concordia verdankt und dessen Bruder für die Neue Residenz in Bamberg verantwortlich zeichnet, die heute die Staatsbibliothek Bamberg beherbergt). Wohl bedingt durch den nachgiebigen Untergrund und die Abtragung der Straße auf der Südseite (1808) sowie des Schlossberges (1846), was eine Unterfangung der dortigen Mauern nötig macht, treten rund 100 Jahre nach der Erbauung erste tiefe Risse am Pfarrhaus auf. In der Folgezeit sind immer wieder Reparaturen erforderlich (1770, 1838, 1894), um das Haus in bewohnbarem Zustand zu halten.

1848 wird in Wiesentheid Carl Stumpf geboren, der später bei Franz von Brentano studiert und als Philosoph und Psychologie auf die Forschungen von Geisteswissenschaftlern wie Edmund Husserl, Max Wertheimer und Kurt Lewin Einfluss ausübt. Seine Lehre und seine Thesen bereiten der Gestaltpsychologie den Weg, 1908 promoviert Robert Musil bei Carl Stumpf, der im Laufe seiner Karriere an Universitäten in ganz Deutschland unterrichtet. Im Alter von 88 Jahren, im Juni 1936 kehrt Stumpf wieder einmal zu Besuch an seinen Geburtsort zurück – und erleidet einen schweren Verkehrsunfall, an dessen Folgen er wenige Tage später verstirbt.

In Erinnerung an den berühmten Sohn des Ortes wird die Wiesentheider Gemeindebibliothek wenige Jahre später Carl-Stumpf-Bibliothek getauft. Die meiste Zeit ihres Bestehens ist sie in der Nikolaus-Fey-Schule untergebracht. Erst 1998 bekommt sie ein neues Zuhause: in dem historischen Pfarrhaus von Dientzenhofer, das zuvor einer gründlichen und das barocke Moment auf gelungene Weise bewahrenden Renovierung unterzogen wird.


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