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(c) Vegesack-Museum
Museum im Fressenden Haus Weißenstein
94209 Regen
Öffnungszeiten: 05. Mai-18. September tägl. 10.00-16.30 Uhr; bis 6. November nur noch geöffnet am Wochenende oder an Feiertagen; im Winter bleibt das Museum geschlossen.
Telefon: 09921 / 5106
Website
E-Mail: tourist[at]regen.de

Vegesack-Museum Burg Weißenstein

Um das Jahr 1100 errichtet der aus einem ostbayerischen Adelsgeschlecht stammende Graf von Bogen über der Stadt Regen, auf dem Pfahl, jenem 150 km langen Quarzgang, der den nordöstlichen Bayerischen Wald durchzieht, die Burg Weißenstein. Im Dreißigjährigen Krieg wird sie von den Schweden verwüstet, ein Jahrhundert später, im Jahr 1740, stürzt ein Teil ein, zwei Jahre danach zerstören die Panduren den Bau fast endgültig. Während die Burg verfällt und nur als Ruine erhalten bleibt, werden Teile der Wirtschaftsgebäude wieder hergerichtet, darunter der ehemalige Getreidekasten.

Nach der Säkularisierung werden im Jahr 1803 die benutzbaren Gebäude - darunter auch der Getreidekasten - und die Gründe an Privatleute verkauft, die Burgruine beibt in den Händen des Staates. Im Jahr 1918 erwirbt der baltische Dichter Siegfried von Vegesack den Kasten und bezieht ihn gemeinsam mit seiner damaligen Frau, der Schriftstellerin Clara Nordström. Von Vegesack gibt dem Gebäude bald den neuen Namen „das fressende Haus“, da die Kosten für die Instandsetzung und -haltung des ehemaligen Getreidespeichers seine Erwartungen offenbar bei weitem übertreffen. 1932 publiziert von Vegesack auch einen Roman mit dem Titel Das fressende Haus, der vom Leben im Kasten erzählt.

Die Dichterstube von Siegfried von Vegesack (c) Vegesack-Museum

Nach dem Zweiten Weltkrieg, den er teilweise in der Emigration, teilweise als Wehrmachtsdolmetscher verbringt, kehrt Siegfried von Vegesack in das fressende Haus zurück und verbringt dort den Rest seines Lebens. Er stirbt 1974 – und bekommt zuvor noch seinen letzten Willen genehmigt, der den Behörden nicht wenige Sorgen gemacht hatte: Gemeinsam mit seinen Hunden wird er unweit des fressenden Hauses in einem lichten Waldstück beerdigt. „Hier wo ich einst gehütet meine Ziegen/will ich mit meinen Hunden liegen./ Hier auf dem Pfahle saß ich oft und gern/O Wanderer, schau dich um und lobe Gott den Herrn!“ steht auf dem Totenbrett, das er noch zu Lebzeiten in Auftrag gegeben hatte.

Zehn Jahre später eröffnet in dem Kasten ein Museum, das unter anderem die größte private Schnupftabakdosensammlung der Welt und einige archäologische Fundstücke beherbergt. Im Erdgeschoß erinnert eine Dichterstube an den berühmten Bewohner.


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