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Eingang zum "Sitz der Weisheit" (c) Provinzialbibliothek Amberg
Malteserplatz 4
92224 Amberg
Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr: 10-17 Uhr, Mi: 10-18 Uhr
Telefon: 09621/6028-0
Fax: 09621/6028-20
Website
E-Mail: info[at]provinzialbibliothek-amberg.de

Provinzialbibliothek - Staatliche Bibliothek Amberg

Die Provinzialbibliothek in Amberg ist eine öffentlich zugängliche, wissenschaftliche Allgemeinbibliothek mit dem Schwerpunkt Geisteswissenschaften. Wie andere bayerische Regionalbibliotheken ist sie eine Gründung der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts. Ihre alten Buchbestände stammen aus den Zisterzienserabteien Waldsassen und Walderbach, der Prämonstratenserabtei Speinshart, den Benediktinerabteien Michelfeld, Reichenbach, Weißenohe und Ensdorf sowie dem ehemaligen Jesuitenkolleg in Amberg.

Zunächst wird die Bibliothek im ebenfalls aufgehobenen Kloster der Salesianerinnen (heute Dr.-Johanna-Decker-Schulen) untergebracht. Insgesamt kommen in den Jahren 1805 bis 1808 fast 50.000 Bände zusammen, die von zwei zu Bibliothekaren ernannten Exbenediktinern, Maurus von Schenkl aus Prüfening und Joseph Moritz aus Ensdorf, beide auch Professoren am Amberger Lyzeum, in mühevoller Arbeit geordnet und katalogisiert werden. Durch einen Brand im Jahre 1815 geht rund ein Drittel des Bestandes, ca. 16 500 Bände, verloren. Ein Teil der geretteten Bände wird sofort ins Maltesergebäude gebracht, die restlichen Bücher mitsamt den Regalen folgen 1826. Im Bibliothekssaal des ehemaligen Jesuitenkollegs, das zwischenzeitlich dem Malteserorden gehört, nun aber Staatseigentum ist (seit 1925 im Besitz der Kath. Kirchenstiftung St. Georg), findet die Bibliothek ihre endgültige Bleibe.

Symbiose von Alt und Neu (c) Provinzialbibliothek Amberg

Die Bibliothek wird danach von Professoren des Lyzeums bzw. des Humanistischen Gymnasiums nebenamtlich verwaltet. Geld für Neuanschaffungen von Büchern steht über Jahrzehnte nicht zur Verfügung. Um die laufenden Kosten bestreiten zu können, verkauft man Dubletten. Ein knapper, aber regelmäßiger Etat zur Anschaffung neuer Bücher erlaubt erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts einen bescheidenen, aber gezielten Ausbau der historischen und philologischen Fächer. Ab 1893 wird die Bibliothek von Gymnasialprofessor Johann Drescher vollkommen neu geordnet. Zwei Weltkriege übersteht die Bibliothek selbst unbeschadet, doch schwierige Nachkriegszeiten mit Inflation und Währungsreform führen sie in ein neues finanzielles Tief.

Im Zuge der Reaktivierung der kleineren bayerischen Staatlichen Bibliotheken erhält die Bibliothek 1963 den ersten hauptamtlichen und professionell ausgebildeten Bibliothekar. Etat, Buchbestand und Personalstand wachsen in den folgenden Jahren erfreulich, so auch die Nutzung durch die Bevölkerung. 1977 können neue, bald schon nicht mehr ausreichende Räume von der Stiftung Studienseminar in der Malteser-Vierflügelanlage angemietet werden. Ein dringend benötigter Erweiterungsbau mit Anbindung an den Altbau kann entlang dieses Flügels realisiert und 2003 bezogen werden.

Die Bibliothek wird so den an eine moderne Bibliothek gestellten Erfordernissen gerecht: Ihre Bestände und Dienstleistungen gewährleisten in Zusammenarbeit mit den weiteren Bibliotheken in der Region die aktuelle und bedarfsgerechte Literatur- und Informationsversorgung der Bevölkerung für Zwecke der Forschung, Studium und der persönlichen und beruflichen Bildung. Literatur zur Geschichte von Amberg sowie der mittleren und nördlichen Oberpfalz wird möglichst vollständig gesammelt, archiviert und dokumentiert. Die Provinzialbibliothek Amberg erhält und erschließt ihre umfangreichen Altbestände und bewahrt so einen Teil des historischen Erbes und der kulturellen Identität der Region. Mit regelmäßigen Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen wendet sie sich an eine breite Öffentlichkeit.

Sekundärliteratur:

Freller, Thomas (2011): Amberg, Bayern und Malta. Einige Streiflichter auf das Wirken des Malteserordens in Bayern und der Komturei Amberg. In: Oberpfälzer Heimat 55, S. 75-102.

Ders. (2014): Der Malteserorden und seine Besitzungen in der Oberpfalz. In: Oberpfälzer Heimat 58, S. 194-197.

Kurz, Siglinde [Hg.]; Ruttmann, Anette [Interviews]; Hüttner, Moritz [Fotografie] (2015): Bücherfreunde – Leseglück – Digital(ver)lust. Die Provinzialbibliothek Amberg und ihre Nutzer. 2 Bde. (Text- und Fotobuch). Amberg.


Externe Links:

Bestandsgeschichte im Fabian (Handbuch der historischen Buchbestände)

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