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Dichter-Spiegelung (c) E.T.A.-Hoffmann-Haus
Schillerplatz 26
95047 Bamberg
Leitung: E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft
Öffnungszeiten: 01.05.-01.11.2012: Di-Fr 15-17 Uhr; Sa, So, Feiertags 10-12 Uhr
Website
E-Mail: info[at]etahg.de

E.T.A.-Hoffmann-Haus

Der gebürtige Königsberger Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann wird als studierter Jurist im preußischen besetzten Polen eingesetzt. Als Napoleon im November 1806 in Warschau einmarschiert, stellt er die preußischen Beamten vor die Wahl: Entweder sie schlagen sich auf seine Seite – oder sie verlassen die Stadt. Der 30jährige Regierungsrat Hoffmann, der sich seit kurzem Ernst Theodor Amadeus nennt, um seiner Mozart-Bewunderung Ausdruck zu verleihen, entscheidet sich zu gehen und muss sich deshalb in Berlin eine Existenz aufbauen. Doch der Versuch scheitert, Hoffmann nagt die meiste Zeit am Hungertuch. Die einzige Zusage, die er auf seine zahlreichen Bewerbungen erhält, kommt aus Franken: Am 1. September 1808 tritt E.T.A. Hoffmann seine Stelle als Musikdirektor am Theater von Bamberg an.

Der Auftakt endet allerdings in einer künstlerischen Katastrophe, und so verliert Hoffmann diese Stelle bereits nach zwei Monaten. Fortan verdient er sein Geld mit dem Schreiben von Musikkritiken und Kurzgeschichten: In Bamberg wird nicht nur Hoffmanns literarisches Alter Ego, der Kapellmeister Johannes Kreisler, geboren, sondern entsteht auch ein Teil der Fantasiestücke in Callots Manier, die seinen Ruhm als Schriftsteller begründen. Im Mai 1809 beziehen Hoffmann und seine Frau Michalina den zweiten Stock und das Dachgeschoß eines schmalen Hauses am Zinkenwörth Nr. 50, das 1762 errichtet wurde. Der Begriff „Zinkenwörth“ geht auf die Insel zwischen Regnitzarm und Stadtgraben zurück, die sich hier einst befand. 1859 wird dieser Teil der Straße zum Schillerplatz umgewidmet.

Ab 1810 arbeitet Hoffmann als Dramaturg und Dekorateur erneut am Bamberger Theater, nebenbei gibt er Musikunterricht. Er verliebt sich derart hoffnungslos und offensichtlich in eine seiner Schülerinnen, dass deren Mutter schließlich das Mädchen nach Auswärts verheiratet. Als Hoffmann ein Angebot aus einer in Dresden und Leipzig beheimateten Opernkompanie erhält, greift er sofort zu. Am 21. April 1813 verlässt er Bamberg voller Vorfreude in Richtung Dresden: „Meine Lehr- und Marterjahre in Bamberg sind nun abgebüßt, nun kommen die Wander- und Meisterjahre; nun sitz ich fest im Sattel!“ Doch schon 1814 kehrt er in den preußischen Staatsdienst zurück, nach Berlin. In der so genannten Demagogenverfolgung tritt er aufrecht für die Freiheit der Gesinnung ein, verwertet seinen Frust aber literarisch und entgeht einem Verfahren nur durch den frühen Tod.

Kater Murr, interaktive Musik-Kommode und Zaubergarten (c) E.T.A.-Hoffmann-Haus

Das Haus am Schillerplatz ist das einzige ehemalige Wohnhaus von E.T.A. Hoffmann, das heute noch erhalten ist. Zur Feier des hundertjährigen Jubiläums von Hoffmanns Ankunft in Bamberg wird 1908 eine Gedenktafel dort angebracht. 1927 richtet man im Dachgeschoß ein „Undinen-Zimmer“ ein, drei Jahre später wird im darunterliegenden zweiten Stock des Hauses ein kleines Museum eröffnet. Nach und nach erobert das Gedenken an E.T.A. Hoffmann das gesamte Gebäude inklusive Garten.

Da keine originalen Einrichtungsgegenstände vorhanden sind (nur im Poetenstübchen gibt es ein zeitgenössisches Pianoforte), steht nicht die klassisch museale Konservierung im Vordergrund; vielmehr verfolgt man eine doppelte Zielsetzung: anschauliche Information und ästhetische Inszenierung. Das neue Konzept der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft wird von dem Bühnenbildner Wolfgang Clausnitzer entwickelt und seit 1999 in mehreren Stufen umgesetzt. Die Motive aus Hoffmanns Erzählungen werden nicht referiert, sondern sinnlich erfahrbar gemacht, auch in künstlerischen Installationen. Zahlreich sind die Spiegelungen, die Vexierspiele der Identität, denen auch der Besucher nicht entkommt; ein Zylinder verrät die Gedanken, eine Musikkommode hält in jeder Schublade eine andere Komposition Hoffmanns bereit. Der Garten des Hauses nach dem Zaubergarten des Archivarius Lindhorst in der berühmten Erzählung Der Goldene Topf offenbart zugleich Hoffmanns Mythisierung und Anthropomorphisierung von Pflanzen, erinnert aber auch an die frühe romantische Oper Undine nach Fouqués Text.


Externe Links:

Hoffmann in Bamberg (bamberg.info)

 

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