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Schmeller-Gedenkstein in Tirschenreuth mit einer Gruppe zukünftiger Stadtführer. Foto: Peter Knott, Landratsamt Tirschenreuth/Tourismus-Referat

Tirschenreuth, Marktplatz: Schmeller-Denkmal

Während der Vorbereitungen zur 100. Geburtsfeier des Philologen, Sprachforschers und Bibliothekars Johann Andreas Schmeller (1785-1852) taucht in seiner Vaterstadt Tirschenreuth der Gedanke auf, auf dem Marktplatz ein „würdiges Denkmal“ des Gefeierten zu errichten. Unter dem Vorsitz des Fürstlich Thurn und Taxisschen Archivrats Cornelius Will, der zugleich dem Historischen Verein von Oberpfalz und Regensburg vorsteht, bildet sich ein überörtliches „Comité“, das das Unternehmen kraftvoll vorantreibt.

Mit der Einladung zur „Hundertjährigen Geburtstagsfeier“ am 15. und 16. August 1885 versendet man einen Spendenaufruf zur Unterstützung der geplanten Gedenk- und Erinnerungsstätte für „unseren Schmeller“, eine „Zierde der Wissenschaft, welche ihre reiche Kraft voll und ganz eingesetzt hat, um den Bayern, Oberpfälzern, Main- und Rheinfranken den köstlichsten Schatz, ihre Sprache, in der sich ihr ganzes Denken und Fühlen, Leben und Weben, getreulich widerspiegelt, in seiner ureigenen Reinheit, Schönheit und Kraft zu erschließen und für alle Zeiten zu sichern“. Das Anliegen stößt im Kreis von Politik, Kultur und Wissenschaft, bei Adel, Militär, Geistlichkeit und Bürokratie gleichermaßen auf offene Ohren. Das Staatsministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten gewährt sogar einen Zuschuss in Höhe von 4000 Mark, die Stadt Tirschenreuth selbst steuert 1055 Mark bei, und 1891 beträgt die Spendensumme schließlich gut 9000 Mark, die für ein ansehnliches Denkmal aus Stein und Erz, als angemessene Form der öffentlichen Ehrung, zur Verfügung steht.

Nach ersten Plänen des Amberger Bauamtsassessors Karl Hocheder übernimmt Regierungs- und Kreisbaurat August Bernatz aus Regensburg die endgültige Planung und Gestaltung des Denkmals, das gegenüber dem Rathaus an der Südseite der oberen Allee des Marktplatzes zur Aufstellung kommen soll. Das Monument hat eine Gesamthöhe von 3,50 m. Ein Sockel aus dunkelgrünem, geschliffenem Syenit mit dem Namen „SCHMELLER“ in Goldlettern an der Vorderseite trägt die Erzbüste Schmellers im Ornat der bayerischen Universitätsprofessoren, modelliert von dem Bildhauer Anton Hess in München, der zuvor das Medaillon des großen Germanisten am Münchner Wilhelmsgymnasium geschaffen hat, und gegossen in der Erzgießerei Ferdinand von Millers. In Anwesenheit politischer und wissenschaftlicher Prominenz, darunter dem Regierungspräsidenten Friedrich von Ziegler, dem Staatsbibliothekar und Akademiemitglied Friedrich Keinz sowie dem 81-jährigen Prager Germanisten Constantin von Höfler, dem letzten noch lebenden Schmeller-Schüler, findet am 20. Juli 1891 die feierliche Enthüllung des Schmeller-Denkmals in Tirschenreuth statt.

Verfasser: Manfred Knedlik

Sekundärliteratur:

Brunner, Richard J. (1991): 100 Jahre Schmeller-Denkmal in Tirschenreuth. In: Oberpfälzer Heimat 35, S. 121-141.

Dokumentation mit Bildern (2002): Johann Andreas Schmeller. Gedenkfeiern in seiner Heimatstadt Tirschenreuth 1885-1952. Historischer Arbeitskreis, Tirschenreuth, bes. S. 39-90 (Schwäbl, Johann Nepomuk: Bericht über die Errichtung und Enthüllung des Denkmals für den Sprachforscher Johann Andreas Schmeller. Stadtamhof).


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