München, Im Hofgarten

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Gottlieb Gassen (1805-1878): Der Cöllnischen Burg Godesberg Erstürmung durch die Bayern 1583. Fresko, 1828. Detail mit dem angeblichen Heinrich-Heine-Kopf.

Von Bogenhausen geht es zurück in den Hofgarten, etwa Anfang Juni 1828. Damals hat ein Freund Heines den Dichter dort an versteckter Stelle konterfeit. Gottlieb Gassen, geboren 1805 in Ehrenbreitstein bei Koblenz geboren und 1878 in München verstorben, hat Heine vermutlich in dessen ersten Tagen in München beherbergt[22] und hat ihn in dieser Zeit so skizziert, wie wir es noch aus dem Marmorrelief kennen. Außerdem gibt es noch ein weiteres oft abgebildetes Porträt seines Landsmannes und wohl auch Freundes. Es gefiel Kaiserin Elisabeth von Österreich, die mit Heine sogar in spiritueller Verbindung stand, so gut, dass sie es sich auslieh und ein Abbild malen ließ. Heute ist das schöne Porträt ein Prunkstück im Heinrich-Heine-Institut zu Düsseldorf. Weitaus weniger bekannt ist aber die Tatsache, dass es in München sogar ein öffentliches Heine-Porträt von Gassen gibt, an dem vermutlich viele schon vorbeigeschlendert sind, ohne es als solches zu erkennen.

Wir begeben uns in den Hofgarten, genauer in die Arkadengänge direkt am Hofgartentor mit der historischen Galerie. Dort finden wir bemerkenswerte Ereignisse der bayerischen Geschichte in markanten Ereignissen dargestellt, darunter „Der Cöllnischen Burg Godesberg Erstürmung durch die Bayern 1583“. Dargestellt ist der Moment, da bayerische Truppen unter dem neu gewählten Kurfürsten Ernst von Bayern gegen die Truppen des Kölner Erzbischofs Gebhard I. von Waldburg kämpfen, der gegen den Augsburger Religionsfrieden verstoßen hatte. Dabei wurde die Godesburg über Godesberg bei Bonn zerstört. Es hat demnach einen besonderen Reiz, anzunehmen, dass der Rheinländer Gassen seinen Düsseldorfer Landsmann Heine in die Schar der bayerischen Reiter gegen die Godesburg hineinmalt haben könnte. Dass Heine damals in ein Schlachtenbild hineingemalt worden ist, steht jedenfalls fest – er selbst hat das in einem Brief an Varnhagen vom 6. Juni 1828 so kommentiert: „[...] ich kann schon jetzt nicht mehr so gut schlafen wie sonst, seit ich weiß daß ein junger Maler mich in eine fürchterliche Schlacht hineingemalt hat. Nun stehe ich auf dem Bild in Lebensgefahr – und wer steht mir dafür, daß nicht mahl so eine gemalte Flinte losgehen kann, und mein wirklicher Leib sympathetisch mitfühlt wenn der gemalte durchlöchert wird?“[23] Aber eine Ähnlichkeit ist nicht gleich erkennbar, und die seriöse Heine-Forschung ist hier skeptisch: „Der Ritter könnte Heine sein, aber genauso gut irgend ein anderer junger Mann. Eine ‚gemalte Flinte’, von der Heine in seinem Brief spricht, ist auf dem Bild nirgends zu entdecken, es zeigt Ritter in Rüstungen, die sich mit Lanzen und Schwertern bekämpfen. Maler und Gemälde müssen also weiterhin als unbekannt bezeichnet werden, zumal in dieser Zeit in München an Schlachtenbildern kein Mangel herrschte.“[24]

 


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[22] Vgl. Arens (wie Anm. 9), S. 45.

[23] Briefe (wie Anm. 2), S. 333.

[24] Christian Liedtke (Hg.): Heinrich Heine im Porträt. Wie die Künstler seiner Zeit ihn sahen. Hamburg 2006, S. 90.

Verfasser: Dr. Dirk Heißerer

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