Info
Geburtsjahr: 1656
in Nürnberg
Todesjahr: 1705, gest. nach 1705
Namensvarianten: geb. Lange; Barbara Helena Kopschen; Erone (Pseud.)

Barbara Helena Kopsch

Die Tochter aus einer Nürnberger Kaufmannsfamilie Barbara Helena Lang wird 1679 in den Pegnesischen Blumenorden aufgenommen. Sie erhält den Ordensnamen „Erone“ und zur Blume die „Alant-Wurz“ mit der Beischrift „Jn den Heiland verliebet“ mit folgender Erklärung: „Was ist es / das die Welt doch ihren Buhlern giebt? / Ein Schatten / Rauch und Dunst / o welch ein nichtigs Wesen! / Das schönste was ich mir zu lieben auserlesen / Jst Jesus / der mich liebt / in Jhn bin ich verliebt.“

Nach Sabine Koloch ist sie „die erste Frau im deutschen Kulturraum, die sich zum Sprachrohr einer anderssprachigen ‚Autorin‘ machte. Ihre Wahl fiel auf den Band Conversations [nouvelles] sur divers sujets (1680) von Madeleine de Scudéry (1607-1701)“, in ihrer Übersetzung die Klugen Unterredungen ... (2 Bde., 1685). Sich an den Geselligkeitsformen Frankreichs zu orientieren und diese für den deutschen Sprachraum fruchtbar zu machen, ist für die damalige Zeit im Allgemeinen und für den Blumenorden im Besonderen typisch: Auch Blumenorden-Initiator Georg Philipp Harsdörffer überträgt und kommentiert u.a. Eustache du Refuges Traité de la cour. Ou: Instruction des courtisans (1616) ins Deutsche (Kluger Hofman. Das ist: Nachsinnige Vorstellung deß untadelichen Hoflebens mit vielen lehrreichen Sprüchen und denckwürdigen Exempeln gezieret ..., 1655).

Barbara Helena Lang tritt zudem als Malerin, Wachsbossiererin, Schnitzerin in Elfenbein und Alabaster, Kupferstecherin sowie Dichterin hervor. 1684 erscheint von ihr in Nürnberg eine kleine, aus dem Französischen übersetzte Sammlung mit geistlichen Liedern, von ihr selbst verfertigten Kupferstichen und Gedichten mit einer Widmung an den Blumenorden u.d.T. Vernünftige Gemüths-Beruhigung, oder kurtze Lehr-Sätze, wie die Begierden bey allen Begebenheiten vernünftig und wol zu regieren, und die wahre Zufriedenheit zu befördern ... Dem Altdorfer Professor und vierten Ordenspräses Magnus Daniel Omeis (1646-1708) schenkt sie ein Büchlein aus Elfenbein mit eigenen geschnitzten Versen (Dankgedicht an Damon...). Darüber hinaus sind von ihr Trauergedichte auf ein Kind sowie auf die Landgräfin von Hessen-Kassel, Louise Dorothea Sophia (1680-1705), überliefert.

1686 heiratet Barbara Helena ihren Mann Nicolaus Kopsch(en) und zieht mit ihm nach Berlin. Der dritte Ordenspräses Martin Limburger (1637-1692) widmet ihr im Namen des Blumenordens ein entsprechendes Hochzeitslobgedicht. Sie verbringt einige Zeit in Amsterdam. Nach 1705 verlieren sich ihre Spuren.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Grieb, Manfred H. (Hg.) (2007): Nürnberger Künstlerlexikon. Bildende Künstler, Kunsthandwerker, Gelehrte, Sammler, Kulturschaffende und Mäzene vom 12. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. 4 Bde. Bd. 1. München, S. 827.

Jürgensen, Renate (2006): Melos conspirant singuli in unum. Repertorium bio-bibliographicum zur Geschichte des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg (1644-1744) (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen, 50). Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, S. 471f.

Koloch, Sabine: Kommunikation, Macht, Bildung. Frauen im Kulturprozess der Frühen Neuzeit. Berlin 2011, S. 151-172.

Woods, Jean M.; Fürstenwald, Maria (1984): Schriftstellerinnen, Künstlerinnen und gelehrte Frauen des deutschen Barock. Ein Lexikon (Repertorien zur deutschen Literaturgeschichte, 10). J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, S. 60.


Externe Links:

Literatur von Barbara Helena Kopsch im BVB