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Geb.: 29. 9.1876 in Weiler im Allgäu
Gest.: 25.9.1939 in Weiler im Allgäu

Fridolin Holzer

Der älteste Sohn des Volksschullehrers, Redakteurs und Herausgebers des Anzeigeblattes für das westliche Allgäu (heute: Der Westallgäuer) Gebhard Holzer übernimmt 1902 das Geschäft des Vaters und baut den Zeitungsverlag aus. Fridolin Holzer schafft die erste Bleisetzmaschine 1913 an, seitdem erscheint die Heimatzeitung täglich. Nach dem Ersten Weltkrieg wird Fridolin Holzer zum Bürgermeister der Marktgemeinde Weiler gewählt, ein Amt, das er 15 Jahre lang innehat. 1936 wird er Ehrenbürgermeister.

Seine auf Drängen seiner Freunde herausgegebenen Mundartdichtungen umfassen folgende Bände: D' Schnnäddrbäs vu Wilar (1929), D' Boschejohlar (1934), Nommas Luschtegs für den Feierabend (1937), Krottebluma (1938). Der Gedichtband Der Dorfpoet (1931) erscheint dagegen in Hochdeutsch. Eine Auswahlsammlung Holzers wird zum 25. Todestag 1967 von seinen beiden Söhnen Wolfgang und Siegfried unter dem Titel Der Westallgäuer Heimatdichter Fridolin Holzer herausgegeben.

„Er war ein lächelnder Weiser, dem gegeben war, hinter den Sinn von Leben und Sterben, hinter Menschen und Dinge zu sehen“, schreibt der Heimatforscher Josef Rottenkolber über den Dichter. Diese wohlmeinenden Worte gelten offenbar nicht für den ganzen Menschen Fridolin Holzer, da einige seiner Gedichte als Anbiederung an den Nationalsozialismus gelesen werden können, wie der Autor und Regisseur Walter Flemmer jüngst gezeigt hat.

Im Vorwort zu Nommas Luschtegs schreibt Holzer: „Um Volkstum und Brauchtum zu pflegen und zu fördern, hat die NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude in anerkennenswerter Weise die Durchführung sogenannter Dorfgemeinschaftsabende in allen Ortsgruppen angeordnet [...].“ In dem Gedicht „D'r Hitlarbue“ (Krottebluma) schlüpft das lyrische Ich in die Rolle eines Hitlerjungen: „I bi a kleina Hitlarbue, / Dös kennt ma schu am Schritt, / Am Leadergurt, am brune Tue, / Kurz g'söit, am gonze Lit.“ Am 13. März 1938 wird dann mit Hitler selbst „A noue Zeit“ begrüßt: „Wer goht voera mit Hott und Hü? / O'r Hitlar! Dös ischt isa Ma / Vu alla ka-n-em Kuinar na. / Bloß hot ar so an wite Schritt / As kummed numma alle mit.“

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Flemmer, Walter (2014): Dialog oder Kampf der Kulturen und Religionen: Überlegungen, Hinweise, Schlussfolgerungen. epubli, S. 198.

Layer, Adolf (1977): Biera ond Zelta. Schwäbische Mundartgedichte aus zwei Jahrhunderten. Mit einem Geleitwort von Arthur Maximilian Miller (Beiträge zur Landeskunde von Schwaben, 4). Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn, S. 425f. u.ö.


Externe Links:

Literatur von Fridolin Holzer im BVB

Literatur über Fridolin Holzer im BVB

Verlagsgeschichte

Druckereigeschichte

Youtube-Video zu Fridolin Holzers "D'r Schiebling"

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