Info
Geburtsjahr: 1400
in Landsberg am Lech
Todesjahr: 1450

Heinrich Kaufringer

Kaufringers Name ergibt sich aus der Verfassersignatur seiner Werke, die ihn ins Ostschwäbische um Augsburg und Landsberg verweisen. Zwei beurkundete Bürger aus Landsberg stehen als Autoren zur Debatte: ein Kirchenpfleger desselben Namens (1369-1404) und dessen Sohn, der nach 1404 nicht mehr bezeugt ist. Man neigt dazu, letzteren für den Autor zu halten. Wohl ist Kaufringer der gebildeten städtischen Mittelschicht zuzuordnen; eine Zugehörigkeit zu einem nach dem Ortsnamen Kaufering bei Landsberg gebildeten und dort ansässigen Ministerialengeschlecht ist dagegen nicht nachweisbar.

Kaufringers Werke sind im Wesentlichen in drei Handschriften enthalten. Die älteste Handschrift (München, Staatsbibliothek, Cgm 270, um 1464) enthält von ihm eine geschlossene Autorsammlung von 17 Reimpaardichtungen, darunter 13 Mären, und gibt als Anhaltspunkt zur Datierung die Erwähnung der Gründung der Erfurter Universität 1392. Die jüngere Handschrift (München, Staatsbibliothek, Cgm 1119, um 1467) enthält nur seine Erzählung Der Einsiedler und der Engel (Bl. 97vb-100ra). In der dritten und jüngsten Handschrift (Berlin, Staatsbibliothek, mgf 564, um 1472) sind in einer Gedichtsammlung Heinrich des Teichners verschiedene kürzere Stücke Kaufringers eingestreut – Versifizierungen geistlicher Prosa, bîspelartige Erzählungen sowie eine weltliche Rede, eine Schelte der weltgewandten „Schälke und Lecker“.

Vor allem als Märendichter erweist sich Heinrich Kaufringer als guter und überlegener Erzähler, was ihn zu einem der bedeutendsten Vertreter dieser Gattung macht. Seine Vertrautheit im Umgang mit Rechts- und Verwaltungssachen unterscheidet ihn von vergleichbaren Reimpaardichtern wie Hans Rosenplüt und Hans Folz, auf die er dennoch gewirkt hat. Mit einer Ausnahme (Der verklagte Bauer) behandeln die Mären Kaufringers erotische Themen, aber nie zum Selbstzweck, sondern zur Erörterung und Darstellung vielschichtiger Probleme.

Eigentümlich ist der Zug zum Grausamen und Makabren; die Kruditäten, in denen der Schwank sich überschlägt, wirken in Drei listige Frauen B oder in Die Rache des Ehemannes besonders stark. Ein weiteres neues Erzählmoment stellt die „weise Souveränität“, mit der der betrogene Ehemann öfters auf Rache verzichtet, dar. In Der feige Ehemann wird z.B. die Nichtachtung der Ehre der ehrbaren Frau unter die Gefahrenabwägung gestellt und als vernünftig deklariert. Im Märe Bürgermeister und Königssohn erweist sich der Verzicht auf Rache als unerwartet profitabel. In Der zurückgegebene Minnelohn ist hingegen die bloß symbolische Rache am Ende in der Freundschaft der ritterlichen Gegenspieler begründet, weshalb man auch von einer Neubestimmung einfacher Rollencharaktere mit dem Ziel, diese „menschlich“ zu bestimmen, bei Kaufringer sprechen kann.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Cramer, Thomas (20003): Geschichte der deutschen Literatur im späten Mittelalter. Deutscher Taschenbuch Verlag, München, S. 285f.

Sappler, Paul: Kaufringer, Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 353f., http://www.deutsche-biographie.de/pnd118560735.html, (21.02.2012).


Externe Links:

Literatur von Heinrich Kaufringer im BVB

Literatur über Heinrich Kaufringer im BVB

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