Info
Geburtsjahr: 1435
in Worms
abweichendes Datum: 1440
   01.1513 in Nürnberg
Zeichnung von H. Schwarz, um 1520
Namensvarianten: Hans von Worms, Der Barbierer

Hans Folz

Hans Folz ist wohl zwischen 1435 und 1440 in Worms geboren, wo er das Barbierhandwerk erlernt. Nach Wanderjahren als Geselle, die ihn bis nach Spanien führen, siedelt er sich in Nürnberg an. Dort erwirbt er am 1. November 1459 das Bürgerrecht, 1486 ist er urkundlich als Meister bezeugt. Das Erbrecht an einem Haus erwirbt er 1493. Zum Geschworenen Meister des Barbierhandwerks und der Wundarznei wird er 1498 gewählt. Nach dem Tode seiner Frau 1499 stellt er einen Antrag auf einen Altersheimplatz im Augustinerstift, der ihm jedoch verwehrt wird. Er bekommt schließlich zehn Jahre später einen Platz im Klosterhof der Heilsbronner Zisterzienser und stirbt im Januar 1513.

Wie Hans Rosenplüt und Hans Sachs gehört Folz zu den großen Nürnberger Handwerksdichtern der frühen Neuzeit. Für seinen Stand verrät er eine ungewöhnliche Bildung: er kann Latein, verfügt über Kenntnisse der akademischen Medizin, ist literarisch gebildet und interessiert sich auch für christliche und talmudische Theologie. 1479-88 betreibt er eine eigene Druckerpresse zur Publikation seiner Werke, mit denen er sich rasch Ansehen verschafft; ein Pestregimen in Versen widmet er dem Rat der Stadt Nürnberg.

Folz' Werk zeichnet sich durch eine ungeheure Vielseitigkeit aus. Aus seiner Feder stammen ca. 100 Meisterlieder, über 12 Fastnachtspiele und 47 Texte in bis zu 900 Reimpaarversen, unter denen sich ca. 20, wiederum nicht genau abgrenzbare Mären befinden. Zum Rest zählen Legenden, theologische Disputationen, didaktische Reden, in Morallehren umgemünzte Minnereden und kleinere komisch-parodistische Gedichte („Klopfan“-Sprüche, Rätsel u.ä.). Daneben stehen historisch-politische Texte, in denen Folz durchgängig ratskonforme Standpunkte vertritt (darunter eine Art Hofberichterstattung über Maximilians Aufenthalt in Nürnberg 1491 und eine knapp 900 Verse lange, staatstheoretische Erörterung zum römischen Reich), sowie medizinische Fachschriften. Lediglich zwei Texte sind in Prosa überliefert: ein Pestregimen für Anton Haller, den Schwiegervater Hartmann Schedels, und ein parodistischer Almanach.

Von den Liedern ist ein Großteil in Handschriften überliefert; die Lieder in der Weimarer Handschrift (Cod. Quart 566) und teilweise in der Münchner Handschrift (Cgm 6353) sind von Folz selbst aufgezeichnet. Eine Gruppe sticht besonders hervor: die sog. „Reformlieder“ (Nr. 89-94). In ihnen wehrt sich der Dichter gegen Tendenzen, die von rheinischen Meistersingern auszugehen scheinen, Lieder nur in „Tönen“ alter Meister zuzulassen, weshalb Folz die Erfindung neuer Melodien fordert. Darüber hinaus bilden geistliche und moralisch-didaktische Lieder den thematischen Schwerpunkt. Auch Schwankstoffe, wie die schnell getröstete Witwe (Nr. 20), Liebe, Ehe (Nr. 69, 50) und die Kunst des Meistersangs (Nr. 39-49) werden beleuchtet.

Bei den Fastnachtspielen nutzt Folz die Darstellung und Erörterung aktueller Probleme. Neu ist die Einbeziehung geistlicher Themen; drei Spiele dienen – konform der Nürnberger Ratspolitik – der antijüdischen Polemik, die sich zu „blanker gehässig-sadistischer Agitation“ (Thomas Cramer) noch steigert. Dazu zählen Die alt und neu ee (Das Alte und das Neue Testament), Kaiser Constantinus (Aufführungsbeleg 1475) und das Spiel vom Herzogen von Burgund (1486/93). Obwohl Folz in fast allen Stücken die Rolle der Fastnacht betont (vgl. seine Tanzschlüsse), haben sich die anspruchsvolleren inhaltlich von diesem Anlass bereits gelöst.

Am eindrucksvollsten sind Folz' im sprachlichen Kolorit derbe Schwankmären, in denen ein breites Spektrum menschlicher Verhaltensweisen aus allen sozialen Bereichen entworfen wird. In Die halbe Birne (Nr. 4) wird die an sich zotige Komik umgemünzt in die Problematik eines Aufsteigers, bei dem sozialer Status und Verhaltensnorm nicht mehr übereinstimmen – der Ritter, der von höfischem Benehmen keine Ahnung hat, kann nur als Narr dem Spott der Prinzessin, die ihn heiratet, entgehen. Die drei listigen Frauen (Nr. 10) werden in ihrem von Folz zum Teil wieder gestrichenen Auslegungsspielraum regelrecht zum „Medium zur Reflexion von Gegenwartsfragen“ (Thomas Cramer); eine Bearbeitung dieses Märes findet sich zudem bei Heinrich Kaufringer. Auf Sprachspielen unter Vorwegnahme des Eulenspiegelthemas von der Uneindeutigkeit der Sprache beruhen dagegen Die mißverständliche Beichte (Nr. 17) und Der witzige Landstreicher (Nr. 16).

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Cramer, Thomas (20003): Geschichte der deutschen Literatur im späten Mittelalter. Deutscher Taschenbuch Verlag, München, S. 288-292, 335f. u. 344f.

Petzsch, Christoph: Folz, Hans. In: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 288f., http://www.deutsche-biographie.de/pnd118534211.html, (20.02.2012).


Externe Links:

Literatur von Hans Folz im BVB

Literatur über Hans Folz im BVB

Hans Folz in der BLO

Das Bäderbüchlein

Transkrition zur Fechtlehre des Hans Folz

Seminararbeit zu Hans Folz

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