Rafael Seligmann
1947 geboren, ist Rafael Seligmann als Romanautor mit der autobiografisch geprägten Thematik jüdischer Existenz in der Bundesrepublik erfolgreich. Er setzt dabei ebenfalls der vor 1933 selbstverständlichen jüdischen Beheimatung in Deutschland ein literarisches Denkmal.
Werdegang
Rafael Seligmann wächst zunächst in der Emigration in Israel auf. Bereits 1933 ist sein Vater, Ludwig Seligmann (1905-1975), geflohen, zusammen mit seinem Bruder Heinrich aus dem schwäbischen Ichenhausen in das damals britische Mandatsgebiet Palästina. Die Seligmanns waren angesehene Textilkaufleute. Ichenhausen wie andere kleinere Orte im ehemals Habsburgischen Vorderösterreich bildeten die Landschaft von „Medinat Schwaben“. Darunter ist ein stärker jüdisch besiedeltes Gebiet mitten in einer katholisch geprägten Landschaft zu verstehen, welches erst im Gefolge der napoleonischen Umwälzungen zum Königreich Bayern kam. Während in Altbayern etwa erst im 19. Jahrhundert wieder eine jüdische Besiedelung möglich war, war das Zusammenleben von Juden und Katholiken im Medinat Schwaben über Jahrhunderte lang erprobt und gut eingespielt.
Rafael Seligmann verbringt die ersten Kindheitsjahre in Israel, bevor er 1957, noch als Grundschüler, in das München der Adenauer-Zeit verpflanzt wird. Die durchgehend schwierige Schulzeit, Lehre, Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, ein Studium der Politikwissenschaften und Geschichte sowie Promotion absolviert er in München. In beruflicher Tätigkeit arbeitet Rafael Seligmann als Journalist, etwa bei Der Spiegel, Die Welt und FAZ.
Wichtige Werke (Auswahl)
Die selbstverständliche Beheimatung von jüdischen Familien wie den Seligmanns vor 1933 spiegeln autobiografische Aufzeichnungen von Ludwig Seligmann, die wiederum Grundlage der Romantrilogie Rafael Seligmanns bilden. Dies verdichtet sich in der Trilogie Lauf Ludwig lauf!, Hannah und Ludwig sowie Rafi, Judenbub. Alle drei Romane der „Buddenbroocks von Ichenhausen“ haben als Leitmotiv die dortige klassizistische Synagoge des späten 18. Jahrhunderts, deren Sternenhimmel zum Sehnsuchts- und Hoffnungsmotiv wird. In wechselnden Erzählperspektiven gibt der Autor drei verschiedenen Generationen zwischen 1914 und 1974 eine Stimme.
Sekundärliteratur:
https://www.hss.de/news/detail/gesichter-unseres-landes-rafael-seligmann-news7873/, (30.07.2021).
https://www.sueddeutsche.de/muenchen/antisemitismus-buch-rafael-seligmann-muenchen-1.5553186, (23.03.2022).
https://www.cicero.de/kultur/rafael-seligmann-ulrike-moser-cicero-literaturen-podcast, (25.03.2022).
Wolf, Klaus (2021): Rezension zu: Rafael SELIGMANN, Lauf, Ludwig, lauf! Eine Jugend zwischen Fußball und Synagoge, Stuttgart 2019. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben, Bd. 113 (2021), S. 401-403.
Ders. (2022): Rezension: Die jüdischen Buddenbrooks von Ichenhausen. Der Publizist und Schriftsteller Rafael Seligmann vollendet seine autobiografische Romantrilogie über seine Familie mit dem Band Rafi, Judenbub. Es ist auch Trauerarbeit für das untergegangene jüdische Schwaben. In: Augsburger Allgemeine, 26. April, S. 19.
Externe Links:
Literatur von Rafael Seligmann im BVB
1947 geboren, ist Rafael Seligmann als Romanautor mit der autobiografisch geprägten Thematik jüdischer Existenz in der Bundesrepublik erfolgreich. Er setzt dabei ebenfalls der vor 1933 selbstverständlichen jüdischen Beheimatung in Deutschland ein literarisches Denkmal.
Werdegang
Rafael Seligmann wächst zunächst in der Emigration in Israel auf. Bereits 1933 ist sein Vater, Ludwig Seligmann (1905-1975), geflohen, zusammen mit seinem Bruder Heinrich aus dem schwäbischen Ichenhausen in das damals britische Mandatsgebiet Palästina. Die Seligmanns waren angesehene Textilkaufleute. Ichenhausen wie andere kleinere Orte im ehemals Habsburgischen Vorderösterreich bildeten die Landschaft von „Medinat Schwaben“. Darunter ist ein stärker jüdisch besiedeltes Gebiet mitten in einer katholisch geprägten Landschaft zu verstehen, welches erst im Gefolge der napoleonischen Umwälzungen zum Königreich Bayern kam. Während in Altbayern etwa erst im 19. Jahrhundert wieder eine jüdische Besiedelung möglich war, war das Zusammenleben von Juden und Katholiken im Medinat Schwaben über Jahrhunderte lang erprobt und gut eingespielt.
Rafael Seligmann verbringt die ersten Kindheitsjahre in Israel, bevor er 1957, noch als Grundschüler, in das München der Adenauer-Zeit verpflanzt wird. Die durchgehend schwierige Schulzeit, Lehre, Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, ein Studium der Politikwissenschaften und Geschichte sowie Promotion absolviert er in München. In beruflicher Tätigkeit arbeitet Rafael Seligmann als Journalist, etwa bei Der Spiegel, Die Welt und FAZ.
Wichtige Werke (Auswahl)
Die selbstverständliche Beheimatung von jüdischen Familien wie den Seligmanns vor 1933 spiegeln autobiografische Aufzeichnungen von Ludwig Seligmann, die wiederum Grundlage der Romantrilogie Rafael Seligmanns bilden. Dies verdichtet sich in der Trilogie Lauf Ludwig lauf!, Hannah und Ludwig sowie Rafi, Judenbub. Alle drei Romane der „Buddenbroocks von Ichenhausen“ haben als Leitmotiv die dortige klassizistische Synagoge des späten 18. Jahrhunderts, deren Sternenhimmel zum Sehnsuchts- und Hoffnungsmotiv wird. In wechselnden Erzählperspektiven gibt der Autor drei verschiedenen Generationen zwischen 1914 und 1974 eine Stimme.
https://www.hss.de/news/detail/gesichter-unseres-landes-rafael-seligmann-news7873/, (30.07.2021).
https://www.sueddeutsche.de/muenchen/antisemitismus-buch-rafael-seligmann-muenchen-1.5553186, (23.03.2022).
https://www.cicero.de/kultur/rafael-seligmann-ulrike-moser-cicero-literaturen-podcast, (25.03.2022).
Wolf, Klaus (2021): Rezension zu: Rafael SELIGMANN, Lauf, Ludwig, lauf! Eine Jugend zwischen Fußball und Synagoge, Stuttgart 2019. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben, Bd. 113 (2021), S. 401-403.
Ders. (2022): Rezension: Die jüdischen Buddenbrooks von Ichenhausen. Der Publizist und Schriftsteller Rafael Seligmann vollendet seine autobiografische Romantrilogie über seine Familie mit dem Band Rafi, Judenbub. Es ist auch Trauerarbeit für das untergegangene jüdische Schwaben. In: Augsburger Allgemeine, 26. April, S. 19.
