Info
Geb.: 8. 3.1669 in Meersburg am Bodensee
Gest.: 20.1.1753 in Kutzenhausen
Titelblatt aus: Albert Joseph Conlin: Der Christliche Welt-Weise Beweinent Die Thorheit Der neu-entdeckten Narrn-Welt, Welcher die in disem Buch befindliche Narrn zimblich durch die Hächel ziecht, jedoch alles mit sittlicher Lehr und H. Schrifft untermischet; Worin über 200. lustig und lächerliche Begebenheiten, deren sich nicht allein die Herrn Pfarrer auf der Cantzel, sondern auch ein jede Privat-Persohn, bey ehrlichen Gesellschafften nutzlich bedienen können, Augspurg, [um 1706] (BSB-Sign.: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek -- Th Pr 522A)
Namensvarianten: Loncin von Gominn (Anagramm zu Conlin von Moning)

Albert Joseph Conlin

Albert Joseph Conlin wird als erstes von acht Kindern der Familie Conlin 1669 in Meersburg am Bodensee im Hochstift Konstanz geboren. Seine Eltern stammen ursprünglich aus der Fürstprobstei Ellwangen. Conlin besucht in Ellwangen das seit 1685 bestehende Jesuitengymnasium, wo er neben der religiösen Erziehung Unterricht in Latein, Griechisch, Deutsch, Rhetorik und Poesie erhält. Mit 21 Jahren immatrikuliert sich Conlin 1690 an der Universität Dillingen, wo schon sein Vater eingeschrieben war, um Weltgeistlicher zu werden. Am 16. März 1692 erhält er die sog. niederen Weihen, im Herbst des darauffolgenden Jahres die höheren, danach folgen Diakonat und Presbyterat. Seine Primiz erfolgt am 14. Juli 1693.

Conlin wird Pfarrer in Munningen bei Oettingen im Ries, begleitet von einer seiner Schwestern, die ihm mit der Magd den Haushalt führt. Bei einer der damals üblichen bischöflichen Visitationen wird Conlin als gescheiter Mann beschrieben, der es allerdings mit den Sitten nicht so genau nehme, sich schlecht kleide und betrinke und jähzornig sei. Da er mit dem Geld nicht zurechtkommt und Schulden hat, fängt er an, ab 1705 auch als Schriftsteller sein Brot zu verdienen – eine Tätigkeit, die bis zum letzten Band seiner Narrenbücher (1711) anhält. Über die Zeit von 1711 bis 1722 gibt es so gut wie keine Dokumente über ihn.

1722 übersiedelt er nach Kutzenhausen im Augsburger Land, im Zusamthal. Sein letztes Buch veröffentlicht Conlin 1725. Er stirbt am 20. Januar 1753 als Pfarrer in Kutzenhausen, „berühmt und gelehrt“ („vir jovialis“).

Sein schriftstellerisches Hauptwerk ist sein siebenbändiges Kompendium Narren-Welt (1706-1711, Augsburg), deren erste fünf Bände (unter dem Pseudonym Loncin von Gominn) je 20 unterschiedliche Narrentypen beschreiben, die „durch die Hächel“ gezogen werden, „jedoch alles mit sittlicher Lehr und H. Schrifft untermischet“. Moralisierend, unterhaltend und karikierend zugleich werden „über 200. lustig und lächerliche Begebenheiten“ behandelt, „deren sich nicht allein die Herrn Pfarrer auf der Cantzel / sondern auch ein jede Privat-Persohn / bey ehrlichen Gesellschafften nutzlich bedienen können“. 1709 und 1711 erscheinen dann die letzten beiden Bände der Narren-Welt, über Närrinnen u.d.T. Der Christliche Welt-Weise Beweinet Die Thorheit Derer in diesem Buch beschriebener 25. Närrinnen.

Titelkupfer aus: Albert Joseph Conlin: Der Christliche Welt-Weise Beweinent Die Thorheit Der neu-entdeckten Narrn-Welt, Welcher die in disem Buch befindliche Narrn zimblich durch die Hächel ziecht, jedoch alles mit sittlicher Lehr und H. Schrifft untermischet; Worin über 200. lustig und lächerliche Begebenheiten, deren sich nicht allein die Herrn Pfarrer auf der Cantzel, sondern auch ein jede Privat-Persohn, bey ehrlichen Gesellschafften nutzlich bedienen können, Augspurg, [um 1706] (BSB-Sign.: Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek -- Th Pr 522A)

Mit seinen sieben Büchern steht Conlin am Ende der zahlreichen Narrensatiren, bevor der Narr 1737 durch Gottsched von der Bühne vertrieben wird und die Aufklärung mit ihren ernsthafteren ästhetischen Maßstäben dem Narrentum vorerst ein Ende bereitet.

Sein Werk knüpft formal an Sebastian Brants berühmte Moralsatire Das Narrenschiff (1494) an, die selbst eine Typologie von über 100 Narren (bei einer Schifffahrt mit Kurs auf das fiktive Land Narragonien) enthält, um der Welt satirisch den Spiegel vorzuhalten. Auch inhaltlich gibt es Parallelen. Darüber hinaus gleichen Conlins Bücher thematisch, strukturell und stilistisch den Schiften Abraham a Sancta Claras, was ihn in die Nähe eines Plagiators in der forschungsgeschichtlichen Beurteilung gebracht hat. So sind vollständig dessen Narrennest, große Partien seines Judas der Erzschelm und Passagen aus Der geflügelte Mercurius übernommen. Dem Anschein nach hat Conlin von den Verlegern Quirinus Heyl und Heinrich Strötter einen eigentlich a Sancta Clara zugedachten Auftrag übernommen – nach Abschluss des ersten Bandes der Narren-Welt kommt es mit diesem bereits zum Streit. 1707 wird zudem ein Verfahren gegen Conlin beim Generalvikariat in Augsburg eingeleitet.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Hofmann, Veronika (2010): Frommes Feindbild Frau. Die Idee der Närrin bei Albert Joseph Conlin. Eine Studie zur germanistischen und volkskundlichen Erzählforschung (Kulturgeschichtliche Forschungen, 31). Herbert Utz Verlag, München.

Pörnbacher, Karl (2002): Schwäbische Literaturgeschichte. Tausend Jahre Literatur aus Bayerisch Schwaben. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn, S. 197f.


Externe Links:

Literatur von Albert Joseph Conlin im BVB

Literatur über Albert Joseph Conlin im BVB

Albert Joseph Conlin in der DDB

Albert Joseph Conlin in der Deutschen Biographie

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