Info
Geburtsjahr: 1532
in München
Todesjahr: 1601 in Ulm
Namensvarianten: Martin Beltle, Martin Bellicus

Martinus Balticus

Eine wichtige Quelle für den frühen Lebensweg des Martinus Balticus bilden seine Elegien in den Poematum libri III (zwischen 1555 und 1560). Der Sohn von Bauern (?) findet in dem protestantisch gesonnenen Pfarrer Zacharias Weichsner in Bruck seinen ersten Lehrer, der ihn im Lateinischen und Griechischen unterrichtet. Seine weitere Ausbildung erfährt er durch den Lutherfreund Johann Mathesius in Joachimsthal, wo er sechs Jahre verbringt, sowie während eines kurzen Aufenthalts in Wittenberg durch Philipp Melanchthon. Nach seiner Rückkehr in die Vaterstadt wird er spätestens 1553 Lehrer an der lateinischen Pfarrschule bei St. Peter und 1554 (unbefristet ab 1556), als Nachfolger von Hieronymus Ziegler, „Poet“, d.h. Rektor des städtischen Gymnasium poeticum. Hier entstehen seine Dramen Adelphopolae (1555, gedr. 1556), Daniel (1556, gedr. 1558) und Tobias (1558, wohl unveröffentlicht), die er mit seinen Schülern vor dem Rat zur Aufführung bringt, und u.a. eine lateinische Übersetzung von Euripides' Satyrspiel Cyklops. Da seine protestantische Überzeugung, die z.B. im Prolog der Adelphopolae deutlich zum Ausdruck kommt, zunehmendes Missfallen in München erregt, muss er schließlich Ende 1559 die Stadt verlassen. Er übersiedelt nach Ulm, wo er bis 1592 als Leiter der Lateinschule wirkt.

In München setzt Martinus Balticus die von Ziegler begründete Tradition des Schultheaters mit eigenen Stücken, gelegentlich auch römischen Komödien, fort. Im Zeichen humanistischer und – darauf aufbauend – reformatorischer Bildungsbestrebungen verfolgen die dramatischen Vorführungen bestimmte Erziehungsziele, die er  in seinen Officia scholasticis praecepta (gedr. als Anhang zu den Poemata) nennt: Religiosität, Tugend, gutes Benehmen, Sprachkompetenz  und Liebe zu den Musen. Auch in Ulm kehrt Balticus mit Neuinszenierungen älterer Stücke, zudem mit eigenen neuen Dramen (Senacheribus, gedr. 1590) zur methodisch-didaktischen Praxis des Schultheaters zurück. Mit öffentlichen Darbietungen findet er auch außerhalb der Schule ein Publikum, dem er – wie fast stets im Reformationsdrama – mit biblischen „Historien“ moralische Exempel vor Augen führt.

In seinem „lyrischen“ Schaffen, worunter elegische oder hexametrische Gedichte, bukolische Idyllen und Epigrammata zu zählen sind, weiß Balticus die Muster der antiken Poesie (Ovid, Vergil) geschickt zu gestalten. Von großer Eleganz sind die elegischen Paraphrasen auf die sonntäglichen Bibellesungen Evangeliorum et Epistolarum, […], Carmine Elegiaco expositus (1593).

Verfasser: Manfred Knedlik

Sekundärliteratur:

Reinhardstoettner, Karl von (1890): Martinus Balticus. Ein Humanistenleben aus dem sechzehnten Jahrhundert. Buchnersche Verlagsbuchhandlung, München.

Stroh, Wilfried (2011): Balticus, Martinus. In: Frühe Neuzeit in Deutschland 1520-1620. Literaturwissenschaftliches Verfasserlexikon (VL 16). Bd. 1. Walter de Gruyter, Berlin, Sp. 189-196.

Thürauf, Ulrich: Balticus, Martinus. In: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 568f., http://www.deutsche-biographie.de/pnd131654314.html, (04.09.2012).


Externe Links:

Literatur von Martinus Balticus im BVB

Literatur über Martinus Balticus im BVB

POEMATA-Edition

Nachricht von des Martin Balticus, ehemaligen Ulmischen Rectors, Leben, Verdiensten und Schriften. Erster Abschnitt (1793)

Nachricht von des Martin Balticus, ehemaligen Ulmischen Rectors, Leben, Verdiensten und Schriften. Zweiter Abschnitt (1794)

Hieronymus Ziegler und Martinus Balticus: zwei Pioniere des lateinischen Schultheaters in München

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