Info
Geb.: 13. 5.1923 in Sonthofen
Gest.: 21.10.1996 in Sonthofen
© Gertraud Gorter
Wirkungsorte:
Immenstadt

Rudolf Boxler

Am 13. Mai 1923 wird Rudolf Boxler in Sonthofen im Allgäu geboren. Er stammt aus einer altein­gesessenen Sonthofer Familie, sein Großvater und sein Vater waren Bürgermeister der Kreisstadt. Nach dem Besuch der Handelsschule absolviert er eine Ausbildung zum Portrait- und Landschafts­fotografen. Daran anschließend besteht er die schwierige Auswahlprüfung für das Studium an einer Fotografischen Kunstschule im Osten Deutschlands, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs macht alle Pläne zunichte. 1942 muss er als 19-Jähriger einrücken, erst sechs Jahre später kommt er 1948 als Spätheimkehrer aus jugoslawischer Kriegsgefangenschaft nach Hause. Gewehr­kolben­hiebe auf die Wirbelsäule und Erkrankungen haben ihm in der Gefangenschaft schwere Schädigungen zugefügt; an ihnen hat er den Rest seines Lebens zu tragen. 1950 heiratet Rudolf Boxler die Volksschul­lehrerin Rosa Segmüller, das Paar bekommt fünf Kinder, von denen zwei im frühen Kindesalter sterben.

Seine Frau Rosa, die selbst im Krieg ihre ganze Familie verloren hat, bestärkt und unterstützt sein kreatives Schaffen. Durch die Bekanntschaft mit Wastl Fanderl wird Rudolf Boxler zum Musizieren angeregt. Der leidenschaftliche Zitherspieler fördert die musikalische Ausbildung seiner drei Töchter und musiziert im Familienverband als Volksmusikgruppe Boxler. Er schreibt zahlreiche Volksmusik­stücke und Lieder. Unter anderem wird sein Lied So wachet auf ihr Hirten in der Weihnachtszeit bis heute im Alpenraum gesungen. Auf seine Initiative hin kommen verschiedene Ton­produktionen heraus. Die erfolgreichste Schallplatte ist Advent in Schwaben, die in Zusammen­arbeit mit dem aus Sonthofen stammenden Pater Aegidius Kolb, einem Schulfreund Boxlers, entsteht und deren Verkaufserlös der Kartei der Not zufließt.

Rudolf Boxler ist ein kreativer Mensch. Der Hobbymaler eignet sich als Autodidakt Ver­goldungs­techniken an, die er bei seinen teilweise lebensgroß gemalten Madonnen­bildern anwendet. 2016 würdigt das Heimatmuseum Hofmühle in Immenstadt den Allgäuer Künstler posthum mit der Ausstellung „Gebete in Gold – Ikonenmalerei von Rudolf Boxler“.

Volksmusikgruppe Boxler 1968. V.l.n.r.: Rosa, Rosalinde und Rudolf Boxler, Gitti Böhme, Resi Müller, Sieglinde und Gertraud Boxler © Gertraud Gorter

Rudolf Boxler ist zudem als Autor tätig und verfasst neben Mundartliedern auch Gedichte und Kurzgeschichten in der orts­typischen nieder­alemannischen Mundart. 1982 nimmt er am Mundart­wettbewerb „Gschwätzt, gschpielt ond gschrieba“ der Augsburger Allgemeinen und der Allgäuer Zeitung teil. In dem Buch So schwätzet mir. Gedichte und Geschichten von 40 schwäbischen Autoren (1988), das aus diesem Mundartwettbewerb hervorgeht, sind seine Kurzgeschichte „Weihnachten nach dem Krieg“ und sein Gedicht „Adventsgedanke“ enthalten.

Im Oktober 1996 stirbt Rudolf Boxler im Alter von 73 Jahren. Vier Jahre nach seinem Tod gibt seine Tochter Gertraud Gorter das Buch A d'r Sunnesite (2000) mit Mundart-Geschichten, Gedichten und Anekdoten aus Alt-Sonthofen und Umgebung im Eigenverlag heraus. Die Illustrationen stammen vom Sonthofer Kunstmaler Franz Blab (1917-1992), einem guten Freund des Autors und seiner Familie. Schon bald nach dem Erscheinen ist das Buch vergriffen und wird in einer zweiten Auflage gedruckt.

Verfasser: Digitaler Literaturatlas von Bayerisch Schwaben DigiLABS / Rosmarie Mair, M.A.


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