Info
Geb.: 29. 7.1911 in Gelsenkirchen-Buer
Gest.: 13.12.1976 in Potsdam
Namensvarianten: Eduard Schmidt (wirkl. Name), Edy Brendt (Pseudonym)

Eduard Claudius

Eduard Schmidt alias Eduard Claudius wird als Sohn eines Bauarbeiters geboren. Der gelernte Maurer schreibt – nach Wanderschaft durch die Schweiz, Frankreich, Spanien, Italien und Österreich –  in den 1920/30er-Jahren als sogenannter „Arbeiterkorrespondent“ für den Rundfunk in Köln und Zürich. Als KPD-Mitglied folgt 1933 seine Verhaftung wegen illegaler politischer Tätigkeit. Er emigriert in die Schweiz, dann nach Paris und wird einer der ersten Freiwilligen im Spanischen Bürgerkrieg.

1936 erscheint in Basel sein erster Roman Jugend im Umbruch (unter dem Pseudonym Edy Brendt), ein jugendlicher Lebensweg unter der NS-Diktatur. Nach Verwundung kehrt Eduard Claudius in die Schweiz zurück. Hermann Hesse verhindert seine Auslieferung.

Claudius hält sich als Internierter in verschiedenen Schweizer Arbeitslagern auf, in denen sein künstlerisch wertvoller Spanienroman Grüne Oliven und nackte Berge (Zürich 1945, München 1946, Berlin 1947) entsteht. Es handelt sich dabei um den bedeutendsten deutschsprachigen Roman über den Spanischen Bürgerkrieg, der oft mit Ernest Hemingways Wem die Stunde schlägt verglichen wird. Im Frühjahr 1945 nimmt Claudius an den Kämpfen der Partisanenbrigade „Garibaldi“ in Oberitalien teil. Seine italienischen Widerstandserfahrungen verarbeitet er in seiner Erzählung Die Nacht des Käuzchens (1951).

Im Juli 1945 kehrt Claudius nach Deutschland zurück und wird in München Pressereferent im Bayerischen Staatsministerium für Sonderaufgaben, das für Entnazifizierungen zuständig ist.  Er setzt sich publizistisch mit der NS-Zeit auseinander, schreibt Texte für die Münchner Kleine Komödie, Reportagen über das zerstörte Deutschland, u.a. für die bayerische Neue Presse, die Coburger Nachrichten und Radio Luxemburg. Im Feuilleton der Neuen Zeitung werden seine Grüne Oliven und nackten Berge abgedruckt. Claudius schreibt jetzt auch für die Süddeutsche Zeitung.

1947 zieht er ins Ruhrgebiet um, er nimmt teil am Ersten Deutschen Schriftstellerkongress in Berlin. Danach siedelt er nach Berlin um und wird Lektor im Verlag Volk und Welt. 1955/56 ist er Sekretär des DDR-Schriftstellerverbandes (DSV) und bis 1961 in diplomatischen Diensten als Generalkonsul in Syrien und als Botschafter in der Republik Nord-Vietnam.

Eduard Claudius ist einer der ersten namhaften DDR-Schriftsteller, die es unternehmen, aktuelle Themen und Konflikte „beim Aufbau des Sozialismus“ in der DDR darzustellen: Menschen an unserer Seite (1951) geht als „Pionierleistung“ in die DDR-Geschichte ein. Sein Roman wird zum entscheidenden Impuls für die DDR-Aufbauliteratur bis zum „Bitterfelder Weg“. Das Verhältnis der Menschen eines DDR-Betriebes zueinander schildert wiederum Von der Liebe soll man nicht nur sprechen (1957). Sein Erinnerungsbuch Ruhelose Jahre (1968), in dem er sich kritisch mit der stalinistischen Kulturpolitik auseinandersetzt, „gehört zu den bedeutendsten Autobiographien sozialistischer Schriftsteller“ (Herbert Greiner-Mai).

Das Erscheinen seiner Biographie muss Claudius in der DDR gegen viele Widerstände durchsetzen. Auch Eindrücke und Erfahrungen aus den Ländern seiner Diplomatentätigkeit schlagen sich in seinem Schreiben nieder: Als die Fische die Sterne schluckten. Märchen aus Vietnam, Laos und Kambodscha (1961) oder Das Mädchen „Sanfte Wolke“. Erzählungen aus Dschungel und Wüste (1962). Zu seinem umfangreichen literarischen Werk zählen Romane, Erzählungen, Reportagen, Memoiren, Reiseberichte und Theaterstücke.

Zahlreiche Auszeichnungen erhält und erfährt Eduard Claudius, so den DDR-Nationalpreis (1951) oder den Literaturpreis des FDGB (1955). Seit 1965 gehört er der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (DDR) an und ist von 1967-1969 deren Vizepräsident. 1976 erhält Claudius den Vaterländischen Verdienstorden in Gold.

Zuletzt bewohnt der Schriftsteller ein Wochenendhaus am Gudelackersee in Klosterheide (Brandenburg). Mit 65 Jahren stirbt Eduard Claudius, seine Beisetzung findet auf dem Neuen Friedhof Potsdam, Heinrich-Mann-Allee, im „Ehrenhain“ (Standort 5) statt.

Der Nachlass befindet sich in der Akademie der Künste in Berlin.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Berg, Jan u.a. (1981): Sozialgeschichte der deutschen Literatur von 1918 bis zur Gegenwart (S. Fischer TB 6475). Frankfurt am Main, S. 35, 420, 457, 494, 498, 512 und 579.

Böttcher, Kurt (Hg.) (1974): Schriftsteller in der DDR (Reihe Meyers Taschenlexikon). Leipzig, S. 100f.

Emmerich, Wolfgang (2000): Kleine Literaturgeschichte der DDR. Erw. Neuausg. (Aufbau TB 8052). Berlin, S. 137f.

Greiner-Mai, Herbert (1985): Literatur. Dichter, Stätten, Episoden (Reihe Tourist-Führer). Berlin und Leipzig, S. 194.

Killy, Walther (Hg.) (1989): Literatur-Lexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Bd. 2. München, S. 423.

Meid, Volker (20062): Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 17664). Stuttgart, S. 157f.

Reich-Ranicki, Marcel (1991): Eduard Claudius, der proletarische Draufgänger. In: Ders.: Ohne Rabatt. Über Literatur der DDR. München, S. 61-67.

Reinhold, Ursula (1994): Eduard Claudius. In: Barck, Simone u.a. (Hg.): Lexikon sozialistischer Literatur. Ihre Geschichte in Deutschland bis 1945. Stuttgart und Weimar, S. 102-104.

Stadtbibliothek Gelsenkirchen (2011): Eduard Claudius. Eine Dokumentation zum 100. Geburtstag. Gelsenkirchen.

Uhse, Bode (1960): Eduard Claudius. Berlin.


Externe Links:

Literatur von Eduard Claudius im BVB

Literatur über Eduard Claudius im BVB

Eduard Claudius im Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren

Eduard Claudius beim Literaturport

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