Aus Franz von Defreggers Nachlass

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Erstausgabe "Madam Bäurin" (1920) mit Lena Christs Widmung für Franz von Defregger (Foto: Privatbesitz)

Zurück in München, getrennt von ihrem Ehemann, verlassen von ihrem Geliebten, befand sich Lena Christ in einer finanziellen Zwangslage. Der Vorschuss, den ihr der Paul List Verlag für Madam Bäurin zahlte, war bald aufgebraucht. In den Nachkriegsjahren war die wirtschaftliche Lage angespannt. Es gab viele Arbeitslose, die Kosten für Lebensmittel stiegen. An einen neuen Vertrag war nicht zu denken. Der Albert Langen Verlag hatte das Interesse an dem von der Autorin seit Langem angekündigten Kaspar-Glück-Roman verloren. In dieser aussichtslosen Situation entschloss sich Lena Christ, Künstlerkollegen um Hilfe zu bitten. Sie schickte ihre Tochter Magdalena zu den Münchner Malergrößen Franz von Stuck und Franz von Defregger, mit der Bitte, ihr Skizzen oder kleine Bilder zu überlassen, die sie verkaufen könnte, um damit den Lebensunterhalt für sich und ihre beiden Töchter zu sichern. Doch Magdalena kam mit leeren Händen zurück.

In Franz von Defreggers Nachlass befindet sich ein Exemplar der Erstausgabe von Madam Bäurin mit der Widmung:

Herrn Professor Franz v. Defregger
dem hochverehrten Meister zu seinem 85. Geburtstag mit den ergebensten Wünschen!
Frau Lena Christ
München, 1.5.20

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt