Das Leben danach

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Michael Wening: Alter Stich von Schloss Haus, ca. 1710

Nach Kriegsende ging Edgar Kupfer-Koberwitz nach Schloss Haus bei Regensburg, um wieder zu Kräften zu kommen. Bis 1948 blieb er in Deutschland, dann übersiedelte er in die Schweiz. 1953 ging er nach Chicago. Doch auch hier gelang es ihm nicht, Fuß zu fassen. 1960 kehrte er nach Ischia zurück und ließ sich schließlich für lange Jahre auf Sardinien nieder. Erst 1984 gelangte er erneut nach Deutschland. Seine Bemühungen, die gesammelten Tagebuchaufzeichnungen zu veröffentlichen, scheiterten zunächst. 1956 veröffentlichte die Bundeszentrale für Heimatdienst einen Vordruck aus dem Manuskript, der in vier Fortsetzungen als Beilage zur Wochenschrift Das Parlament erschien. Ein Jahr später erschien die erste Buchausgabe.

Der Mensch ist noch nicht so weit. Wir sind alle noch Bestien Und ich glaube, nicht nur wir in Deutschland, sondern wir in Europa, wir auf der Welt, wir Menschen alle. Denn: noch sind wir nicht das, was wir wirklich sein möchten, noch sind wir keine Menschen. Nur wenige von uns waren es, nur wenige unter uns sind es und ... leider nur wenige von uns erstreben es mit ganzem Herzen. Und so tragen wir die Disteln heim, die wir säten, so tragen wir schwer an uns selbst.

(S. 311)

Die in zwei Bänden veröffentlichten Tagebücher, die nur Ausschnitte des Gesamtmanuskripts darstellen, fanden keinen großen Widerhall. Später schrieb der überzeugte Vegetarier und Tierschützer Kupfer-Koberwitz, der seinen Prinzipien diesbezüglich auch im KZ treugeblieben war, das Buch Die Tierbrüder – eine Betrachtung zum ethischen Leben, in dem er zu einem humanen Umgang mit Tieren aufrief, sowie ein Buch über seine Trauminsel Ischia.

Am 7. Juli 1991 starb Edgar Kupfer-Koberwitz in einem Pflegeheim bei Stuttgart. 1997 erschienen seine Aufzeichnungen zum ersten Mal vollständig unter dem Titel Dachauer Tagebücher.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl