Dachauer Frisur

Als erste Maßnahme der Entmenschlichung erhielten die Häftlinge die sogenannte „Dachauer Frisur“ – ihnen wurde der Kopf kahl geschoren. Anschließend wurden sie in einer Gemeinschaftsdusche abgeduscht und erhielten ihre Häftlingskleidung:

Die Hose war zu kurz [...] und der Kittel schloss mit Mühe und Not unten, über der Brust war er aber nicht zuzukriegen, seine Ärmel waren viel zu kurz und spannten in den Ellenbogen. Ich hatte zwei verschiedene Schuhe erwischt, einer passte, der andere war eine Folterkammer. [...] Staunenden blickte ich an mir hinunter. Ich sah die anderen stehen, sie warteten auf mich. Wie unglückliche Clowns standen sie da.

Was macht man hier aus den Menschen. Waren wir tatsächlich durch den geschorenen Kopf und das gestreifte Gewand schon nicht mehr wir? Waren wir schon dadurch in eine andere Kategorie von Menschen getreten, in die der „Häftlinge“? Äußerlich wenigstens konnte man uns kaum wiedererkennen. Wie würde es innerlich werden? Ob man uns da auch solch ein genormtes, gestreiftes Zeug würde anziehen können und uns allen den gleichen geschorenen Schädel geben: genormtes Denken? Schon fühlte ich mich nicht mehr als Zivilist. Irgendjemand anderes war ich geworden, aber wer? Wer war ich ---?

(S. 24f.)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl