Ankunft in Dachau

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Armbinde eines Oberkapo aus einem Konzentrationslager

Schon vor seiner Ankunft in Dachau gaben ihm Mithäftlinge überlebensnotwendige Verhaltensregeln mit auf den Weg: „Wir werden gleich in Dachau sein. Dort nur immer, wenn eine Uniform in Sicht ist, stramm stehen und Mütze ab und klar und deutlich antworten.“ (Edgar Kupfer-Koberwitz: Als Häftling in Dachau... geschrieben von 1942 bis 1945 im Konzentrationslager Dachau [Schriftenreihe der Bundeszentrale für Heimatdienst, 19]. Bonn 1956, S. 16)

Der Wagen hielt. Wir kletterten hinaus und wurden vor ein niedriges Gebäude geführt. Vor uns floss, in einem Graben, ein etwa vier Meter breites Wasser. Auf der anderen Seite war Stacheldraht gespannt. Über das Wasser führte eine Brücke. Ein Gebäude war auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke vorgelagert, in seiner Mitte war ein großes gähnendes Tor, über diesem Tor, aus dem Dache des Gebäudes ragend, war ein viereckiger Turm, auf ihm standen Posten mit Stahlhelmen. Maschinengewehrläufe ragten aus der Windscheibe. Mein Nachbar flüsterte mir zu: „Der Draht ist elektrisch geladen. Siehst Du den großen freien Platz und dahinter die vielen niedrigen Baracken? Dort wohnen wir.“

(S. 16f.)

Von nun an ist das Leben draußen weit weg: „Es gab ein neues Leben und eine neue Welt für mich. Diese neue Welt hieß: Dachau, ein von Stacheldraht eingezäunter Fleck Erde.“ (S. 24)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl