Edgar Kupfer-Koberwitz

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Karte von Ischia

Edgar Kupfer-Koberwitz wurde am 24. April 1906 auf Gut Koberwitz bei Breslau geboren. Er war der Sohn des Gutsverwalters, später arbeitete der Vater als Kaufmann, was viele Umzüge zur Folge hatte. So ging Kupfer-Koberwitz unter anderem in Bad Harzburg und Regensburg zur Schule. Nach seinem Realschulabschluss in Stuttgart arbeitete er in der Landwirtschaft, als Büroangestellter und in einer Bank. Daneben verfasste er unter dem Künstlernamen Kupfer-Koberwitz Gedichte und schrieb für verschiedene Zeitungen.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten floh Kupfer-Koberwitz 1934 nach Paris und arbeitete dort zunächst als Handweber. Ab 1937 stand er in Diensten eines Reiseunternehmens, in dessen Auftrag er die Insel Ischia touristisch erschließen sollte. Sie wurde ihm zur zweiten Heimat. Mit dem Ausbruch des Krieges brach der Tourismus allerdings ein. Kupfer-Koberwitz schrieb über seine geliebte Insel später das Buch Die vergessene Insel. Anfang September 1940 wurde er wegen antifaschistischen Äußerungen im Rahmen des deutsch-italienischen Auslieferungsabkommens aus Italien ausgewiesen. Am Brenner erwartete ihn bereits die Gestapo. Nach Verhören in Innsbruck wurde er am 11. November 1940 ins Konzentrationslager nach Dachau gebracht. Auf der Fahrt von München nach Dachau führt er mit einem Mitgefangenen eine wegweisende Unterhaltung:

Wenn einer ein Buch darüber schreiben könnte, ein richtiges Buch. Das wäre etwas, das ist die Sehnsucht von uns allen, damit die Welt es einmal erfährt, was es heißt: ‚Dachau‘. Halt die Ohren offen und die Augen, Kamerad, vielleicht gelingt es Dir, vielleicht kommst Du durch und siehst die Freiheit wieder, und wenn Du alles gut in Dich aufgenommen hast, vielleicht kannst Du es dann schreiben, das Buch über Dachau.

(Edgar Kupfer-Koberwitz: Als Häftling in Dachau... geschrieben von 1942 bis 1945 im Konzentrationslager Dachau [Schriftenreihe der Bundeszentrale für Heimatdienst, 19]. Bonn 1956, S. 16)

(Renata Laqueur: Schreiben im KZ. Tagebücher 1940-1945. Donat Verlag, Bremen 1991)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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