Boris Pahor

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Triest im Jahr 1885

Der slowenische Schriftsteller Boris Pahor gilt als einer der international renommiertesten Autoren der slowenischen Gegenwartsliteratur. Er hat einen der wichtigsten Lagerromane verfasst und ist seit langem Anwärter auf den Literaturnobelpreis. Heute in Italien beheimatet, wurde Boris Pahor am 26. August 1913 in Triest geboren, das noch zu Österreich-Ungarn gehörte. 1919 wurde Triest an Italien angeschlossen, und Pahor erlebte als Angehöriger der slowenischen Minderheit in den folgenden Jahren die Italienisierung der Stadt durch die italienischen Faschisten. Das slowenische Kulturzentrum von Triest, Narodni Dom, wurde 1920 ein Raub der Flammen, die slowenische Sprache wurde nach dem Sieg Mussolinis 1922 verboten.

Wer schon als kleiner Schüler an der Bestürzung der unterdrückten Volksgemeinschaft teilhatte, die 1920 ohnmächtig zusehen musste, wie ihr Theater im Zentrum der Stadt Triest von den Flammen zerstört wurde, dem wurde jede Zukunftsvision für immer zerstört. [...] Und das war sogar nur der Anfang gewesen, denn später wurde aus dem Knaben ein Schuldiger, ohne dass er gewusst hätte,  gegen wen oder was er gesündigt haben sollte. Er konnte nicht begreifen, dass man ihn wegen der Sprache verurteilte, in der er seine Eltern liebte und die Welt zu entdecken begann.

(Boris Pahor: Nekropolis. Berlin Verlag, Berlin 2001, S. 28)

Pahor absolvierte das Gymnasium in Koper und studierte anschließend zwei Jahre lang Theologie am Priesterseminar in Görz. Während dieser Zeit betätigte er sich aktiv im antifaschistischen Widerstand, was 1940 seine Einberufung zum Militär zur Folge hatte. Pahor musste in den Wüstenkampf nach Libyen. Nach seiner Rückkehr arbeitete er am Gardasee als Dolmetscher für kriegsgefangene kroatische Offiziere. Nach dem Zusammenbruch des faschistischen Italiens kehrte er 1943 nach Triest zurück und schloss sich der Befreiungsbewegung an. Hier wurde er am 21. Januar von Domobranzen, Angehörigen der mit den deutschen Besatzern kollaborierenden slowenischen Landwehr, verhaftet und der Gestapo übergeben. Am 28. Februar 1944 wurde er ins KZ Dachau eingeliefert.

(Baum, Wilhelm [2009]: Triestiner Wirklichkeiten. Über den Triestiner Schriftsteller Boris Pahor. In: Bücherschau 183, S. 12-16)

(Baum, Wilhelm [2010]: Boris Pahor. Ein slowenischer Schriftsteller in Triest. In: Podium. H. 155/156, S. 170-183)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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