Zukunft eines Mörders

Wie für Bertolt Brecht in seiner Ballade Apfelböck oder die Lilie auf dem Felde, die 1927 in seine Hauspostille aufgenommen wurde, steht für Robert Hültner nicht die moralische Empörung über die Bluttat des jungen Elternmörders im Vordergrund, sondern die Darstellung der „Normalität des Grauens“ der damaligen Zeit: „Die Kriminalbeamten befragten ihn zu seiner Tat. Er  verstehe selbst  nicht, wie er sich dazu  habe hinreißen lassen, gab er zu Protokoll. „Meine Ruhe wollt ich halt haben.“ (Robert Hültner: Tödliches Bayern. Kriminalfälle aus zwei Jahrhunderten. btb, München 2013, S. 123)

Josef sitzt die Haftzeit fast vollständig ab. Nach seiner Entlassung nimmt ihn sein Onkel auf und hilft ihm, eine Arbeit zu finden. Schließlich erhält er eine Anstellung bei den Bayerischen Motorenwerken, wo er als geachteter Mitarbeiter bis zum Ende eines langen Arbeitslebens bleiben wird. Zwei Jahre nach seiner Haftentlassung heiratet er und gründet eine Familie. Seine Frau und seine Kinder lieben ihn. In späteren Jahren danach befragt, beteuern sie, dass er der „beste Vater ist, den man sich vorstellen kann“.

(S. 126)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

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