Nationale Frauenblätter

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Wohltätigkeitsveranstaltungen. Theateraufführung, Mai 1917. Szenenbild aus: "Der Hias. Ein feldgraues Spiel", aufgeführt im Deutschen Theater zugunsten des Kriegsliebesdienstes. Sign.: Pk-Erg-09-0117 (Münchner Stadtarchiv)

Die von 1915 bis 1918 in München erscheinenden Nationalen Frauenblätter waren eine Monatszeitschrift. Ihre Herausgeberin Clara Baumbach-Holle verstieg sich in ihren Texten zu einer Fremdenfeindlichkeit die in ihrem Eifer heute beinahe lustig wirkt: 

Gegen die verurteilenswerte Abgötterei, die der gute deutsche Michel allzulang mit allem Ausländischen getrieben, ist jetzt, nach dem Erwachen zum berechtigten Selbstgefühl, schon oftmals geeifert worden. Und im besondern wurde da gegen die verwerfliche Hinneigung unseres Geschmacks zur französischen Mode Front gemacht. [...] Wenn manche Frauen sich doch selbst mit den Augen der anderen sähen, wie sie eng in den französischen demi-mondaine-Rock eingepresst, der für das schlanke verführerische Weib, die Pariser Kokotte, erschaffen ward, herumstolzieren. Zuweilen wächst da „das Riesenmaß der Leiber“ weit - über die gesteckten Grenzen hinaus, gebieterisch nach wenigstens noch ¼ Meter des kostbaren Gewebes verlangend. – Ganz besonders unsere zur rundlichen Fülle neigenden Münchnerinnen habe ich dabei im Auge! [...] Denn nur das Natürliche ist schön, - niemals aber eine Kleidung, die allen Grundsätzen der Bewegung und des Körperbaus Hohn spricht!

Wir brauchen keine Farbenorgien französischer Mache an den Wänden, keine russische Kaschemmenliteratur auf dem Tisch – auch keine Crème von „Roger & Gallet“, keinen englischen „Powder“ und keine russischen Zigaretten.

Ebensowenig brauchen wir ein Hotel „Russischer Hof“, „Polnischer Hof“, „Peterhof“ oder „Englischer Hof“. Wenn den Gästen schon durchaus der Hof gemacht werden soll, – wie das ja auch Hotel „Königshof“ – vormals „Belle vue“ zu meinen scheint, so kann es gleicherweise ein Berliner, Wiener oder Preußischer Hof sein. Und dann überhaupt die ganze „Hotel“-Epidemie! Sollte sich wirklich dafür kein deutsches Wort finden lassen? Könnte man nicht für die Häuser ersten Ranges „Fremdenpalast“, für die kleineren „Fremdenhaus“ und schließlich “Gasthaus“ sagen?

Sei und bleibe deutsch in allem und jedem. Auch ihr, die ihr zu Führern berufen seid: Leiter der Zeitungen, Verlage und Theater – weißt von nun an die Übersetzungen aus dem Russischem, Französischen und Englischen – soweit es sich nicht um hervorragende Kunstwerke handelt, weit von euch – fördert die heimische Literatur! [...] Die Sorgen der deutschen Dichter zu mindern, ist auch eine nationale Tat.

(Clara Baumbach-Holle: Hoch das Deutschtum! In: Aus unserer großen Zeit. Frauenworte. Zum Besten vom Roten Kreuz. J. F. Lehmann‘s Verlag, München 1914, S. 18-22.)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl