Amalie Senninger

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Franz Defregger: Junger Bauer, 1910

Das Pflichtbewusstsein gegenüber der neu entstandenen Volkgemeinschaft konnte nicht alle Ängste und Befürchtungen überdecken – ein Umstand, dem auch die Literatur der Passauer Dichterin Amalie Senninger (1866-1921) Rechnung zollte.

Lenzbauern Sepp´s Abschied (August 1914)

Du liabs kloans Häuserl,
Ihr Bamerl rundum,
Ihr Gockerl, ihr Henderl,
Was seidst denn so stumm?
Ihr Täuberl am Dacherl,
Geh, redst do mit mir!
Mei Herz is so trauri,
Is gar nimmer hier!

Der Kaiser der braucht mi,
Dös woaß i schon gwiß,
Der braucht meine Faust,
Will er nei nach Paris

[...]

Und pfüat di Gott, Nannerl
So sauber, so rund,
Koa anders Goscherl
Küßt jemals mei Mund.
Is der Kaiser erst firti
Mit´n Krieg, wirst mei Wei,
Und bin i a Krüppl
G´heirat wird glei!

Aber z´erst braucht mi der Kaiser
Dös woaß i ganz gwiß
Denn a boarische Hax´n
Spannt weit nach Paris.

Holt´s a Gselchts jatzt vom Rauchfang
Vergeßt´s nur net fein,
Steckts a Gweichts gen an Teufel
Hinter d´Stalltür a nein!
Sonst wüßt i nix weiter
Mi zuckts in der Hand,
dass i gern an der Flint´n
den Hahn schon hält g´spannt!

Herr Kaiser jatz kum i,
i hilf dös is gwiß
Wir ziagn mitanander
Hinein nach Paris.

(Amalie Senninger: Kriegslieder. Verlag Carl August Seyfried und Comp. Carl Schnell 1915, S. 14f.)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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