Gabriele Reuter

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Gabriele Reuter

„Und voller Neid, voll Ungeduld blicken die Backfische – die Mädelchen von dreizehn bis siebzehn Jahren – auf ihre gereifteren Schwestern“, schrieb die Bestsellerautorin Gabriele Reuter, die lange Jahre in München gelebt hat, bei Kriegsbeginn in Scherls Jungmädchenbuch. Gerade junge Mädchen, die weder den Heldentod starben noch Heldenmütter waren, suchten ihre Rolle in diesem Krieg. Ihre Heldinnen waren diejenigen, die alt genug waren, irgendeinen Dienst an der Heimatfront zu verrichten. Sie wurden von den jüngeren Leserinnen glühend beneidet.

Gabriele Reuter, berühmt geworden durch ihren Roman Aus guter Familie (1895) hatte einst einen durchaus emanzipatorischen Ansatz vertreten und die Folgen eines Krieges gerade für Frauen aufgezeigt. Nun aber setzte sie sich dafür ein, dass jungen Mädchen ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zurückstellten, Eltern und älteren Schwestern Trost in ihrem Leid sein sollten und eigenes Leid klaglos zu ertragen hatten:

Harten, kriegerischen Zeiten gehen wir entgegen. Es heißt auch für die Mädchen, hart gegen sich selbst zu werden, hart, ohne Sentimentalitäten und Empfindlichkeiten, bedürfnislos, klar, praktisch und mit Frohsinn gerüstet. Bereitet euch, die Gefährtinnen von Helden zu werden oder mit Tapferkeit allein zu bleiben und kräftig mitzuarbeiten am Neuaufbau des Vaterlandes.

(Gabriele Reuter: Der Krieg und die Mädchen. In: Scherls Jungmädchenbuch 1914/1915. August Scherl Verlag, Berlin 1914, S. XI-XX.)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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