Bilderbücher

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Arpad Schmidhammer: Hans und Pierre, Mainz 1916

Die Kriegspropaganda bezog schon die Kleinsten mit ein. Kriegsbilderbücher, die sich an Kleinkinder richteten, waren in ihrer Intensität und Schonungslosigkeit eine besondere Erscheinung des Ersten Weltkriegs. 1915 gab das Deutsche Rote Kreuz Des Kindes Kriegsbilderbuchheraus, welches Kinder mit teils martialischen Schlachtszenen konfrontierte. Berühmt für seine propagandistischen Kriegsbilderbücher wurde der in München lebende Illustrator und Karikaturist Arpad Schmidhammer, der lange in der Zeitschrift Die Jugend illustrierte. 1914 veröffentlichte er das Bilderbuch Lieb Vaterland magst ruhig sein! Ein Kriegsbilderbuch mit Knüttelversen. Darin wurde Kindern der Grund für die kriegerische Auseinandersetzung erklärt. Michl (Deutschland) und Seppl (Österreich) bestellen friedlich ihren Garten, während Nachbarsjunge Lausewitsch (Serbien) nicht aufhört Seppl zu ärgern. Er hat keine Angst, denn er vertraut darauf, dass ihm sein großer Bruder Nikolaus (Russland) helfen wird. Es kommt zu einer Massenschlägerei an deren Ende die Feinde kräftig verdroschen worden sind und Michl und Seppl wieder friedlich ihr Gärtlein bestellen können. 1916 veröffentlichte Schmidhammer das Bilderbuch Hans und Pierre. Einelustige Schützengrabengeschichte.

Von Taten dieser beiden Helden
Soll Euch dies Bilderbüchlein melden.
Der Tüchtige hat’s Glück und siegt,
Nun horcht wie Hans Pierren kriegt

(Arpad Schmidhammer: Hans und Pierre. Eine lustige Schützengrabengeschichte. Jos Scholz Verlag, Mainz 1916, S. 1.)

Weibliche Bilderbuchautorinnen standen ihren Kollegen in nichts nach, wie das chauvinistische Bilderbuch Für unser Kriegskind von Gertrud Kopp-Römhildt zeigt, das allerdings auch Not und Mangel thematisiert:

Hilf uns Deutschen, lieber Gott,
Gib uns Milch und Butterbrot;
Doch der Feind im Schützengraben
Soll von alledem nichts haben.
Mach, dass unsre Truppen siegen,
Dass wir wieder schulfrei kriegen.

(Gertrud Kopp-Römhildt: Für unser Kriegskind. Verse aus unsrer Zeit. Schreiber Verlag, Esslingen und München 1916, S. 24.)

Das Schicksal von der Kriegspropaganda vereinnahmt zu werden ereilte auch Max und Moritz (A. Schneider: Max und Moritz im Felde. Eine lustige Soldatengeschichte, Verlag Otto Schloß. 1915) und den Struwwelpeter (Karl Ewald Olszewski: Der Kriegs-Struwwelpeter. Hohlbein Verlag, München 1915). Hier stirbt die französische Marianne in dem Brand, den sie selbst gelegt hat.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl