Ina Seidel

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Kriegs-Fürsorgeheim St. Margareth für Frauen und Kinder an der Plinganserstraße 115, 1916. Speisezimmer, Frauen beim Essen, Autor: Pettendorfer. Sign.: C 1916185 (Münchner Stadtarchiv)

Die Mutter wurde zum überragenden Symbol für den Opfermut der deutschen Frauen. Ina Seidel, deren Mütter- und Heldenverehrungsgedichte stets einen religiösen Impetus aufweisen, verglich Deutschland mit einer Mutter, in ihrer Ehre bedroht, aber wehrhaft, wenn alle zu den Waffen eilen, um sie zu verteidigen.

O Deutschland, o Mutter!

 […]

Wir lassen die Herde, wir lassen die Ernte
Wir sehn nicht zurück in geliebtes Gesicht.
Nichts gilt mehr, was dir uns vom Herzen entfernte,
Wir spürten so nah deinen Atem noch nicht.
O Deutschland, o Mutter, du willst, dass uns alle
Von Herzen zu Herzen ein Blutstrom durchwalle,
Du weißt, dass der brausende Berge zerbricht.

(Ina Seidel: Gedichte. Fleischel Verlag, Berlin 1914, S. 122.)

Ina Seidel forderte in ihren Texten immer wieder dazu auf, den weiblichen Anteil an der Kriegsführung nicht zu vergessen. Immerhin seien es Mütter, die durch das Gebären künftiger Soldaten den Krieg erst ermöglichten. Zudem brächten Mütter und Frauen an der Heimatfront ungeheure Opfer. Ohne sie könnte die eigentliche Front kaum bestehen. Doch auch wenn Frauen auf diese Weise am Gemeinschaftserlebnis Krieg beteiligt waren, der Heldentod blieb ihnen zu Seidels Bedauern verwehrt. Und so heißt ihr Gedichtband von 1915 programmatisch Neben der Trommel her.

Die Klage der Mädchen

[…]

Warum laßt ihr unsre Hände,
Da die Lust am höchsten lohnt?
Stürmt allein den Pfad zu Ende,
Schlurft allein den sel´gen Tod?
Uns soll man zu Grabe läuten,
Wenn ihr bliebet in der Schlacht,
Die ihr uns zu Todesbräuten,
Nicht zu Müttern habt gemacht.

(Ina Seidel: Neben der Trommel her. Gedichte. Fleischel Verlag, Berlin und Stuttgart 1915, S. 9.)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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