Hermine Diemer

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Kaiser Wilhelm II.

Wie sehr der Krieg bereits vor Ausbruch desselben ein Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit war, zeigt ein Pamphlet das die Münchner Schriftstellerin Hermine Diemer 1899 angesichts der ersten internationalen Frauenfriedensdemonstration in München verfasste. Sie griff darin Münchens führende Pazifistinnen Anita Augspurg und Margarete Selenka scharf an. Es waren Sätze wie diese, die zum geistigen Nährboden eines Denkens wurden, das dem Krieg einen durchaus positiven Entwicklungsschub abgewinnen konnte:

Der Krieg ist das Naturgemäße, nicht der Friede, selbst der blutige Krieg ist die notwendige Folge des Selbsterhaltungstriebes der Völker. Ohne Kampf keine Entwicklung. Ewiger Friede, im strengsten Sinne des Wortes, bedeutet ewigen Stillstand.

(Hermine Diemer: Die deutsche Frau in der Friedensbewegung. Erwiderung auf die von Frl. Dr. Anita Augspurg und Frau Prof. Selenka am 15. Mai 1899 anlässlich der Kundgebung des internationalen Frauenvereins gehaltenen Reden. J. F. Lehmann's Verlag, München 1900, S. 25.)

Bei Kriegsausbruch huldigte Hermine Diemer dem deutschen Kaiser, der seinen pazifistischen Gegnern als Kriegstreiber galt, aus ganzer Seele:

Heil sei dir, mein Kaiser – du starker Held!
Du Großer, du Guter, Getreuer!
Wir ziehen mit dir in das blutige Feld
Und folgen zum Kampf mit der ganzen Welt
Und stünd' sie im lodernden Feuer

[...]

Du hieltest gebändigt den Blitz in der Hand,
Dass Werke des Friedens er schaffe;
Doch als der Verrat uns umlauert das Land
Und tückisch entzündet den Weltenbrand,
Da ward er zerschmetternde Waffe.

[...]

Mein Kaiser, mein Kaiser, aus Herzensgrund
Flammt's auf in liebendem Feuer – [...]
Du Guter – du Großer – du Treuer!

(Hermine Diemer: Unserem Kaiser. In: Aus unserer großen Zeit. Frauenworte. Zum Besten vom Roten Kreuz. J. F. Lehmann‘s Verlag, München 1914, S. 5f.)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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