Bayern zieht in den Krieg: Elsass-Lothringen

[Links: Karte „Der Priesterwald (W.T.B.)“, Lothringen, Fotografie nach einer Zeichnung 1915. Album Der Weltkrieg in der Photographie um 1915, BSB/Porträtsammlung. Rechts: Bayerische Kaiser- und Königsulanen in der Attacke von Lagarde, 11. August 1914. In: Ludwig Frhr. von Gebsattel, Das KB 1. Ulanenregiment, 1924.]

Ab dem 10./11. August 1914 führt Kronprinz Rupprecht auf Befehl der Obersten Heeresleitung das gemeinsame Oberkommando über die 6. und die 7. Armee sowie das Höhere Kavallerie Kommando 3. Eines der ersten größeren Gefechte der bayerischen Armee entsteht an der rechten Flanke des 1. bayerischen Armeekorps bei dem Dorf Lagarde, dicht an der Grenze zu Frankreich – in direkter Attacke und unter schweren Verlusten können die Bayern jedoch obsiegen. Bei dem um das Dorf Badonviller geführten Grenzschutzgefecht am 12. August geraten 800 Franzosen in Gefangenschaft, unter den erbeuteten Gerätschaften befinden sich Patronen- und Aktenwagen sowie zwei Kriegskassen. An die ersten siegreichen Gefechte erinnert bis heute der sog. „Badonviller-Marsch“, der während der Zeit des Nationalsozialismus zum Präsentiermarsch Adolf Hitlers („Badenweiler Marsch“) umfunktioniert wird.

Die französische Offensive bleibt nicht aus. Am 14. August beginnt der unter General Auguste Dubail und General Édouard de Castelnau geführte Vormarsch in Richtung Saarburg; General Paul Pau stößt auf Mühlhausen vor. Obgleich Kronprinz Rupprecht die Gefahr sieht, dass bei zu langem Hinhalten französische Truppen vom Süden nachrücken könnten, zieht sich die 6. Armee kämpfend mehr als 40 Kilometer ins Landesinnere auf die Linie Saarburg – Metz zurück.

Da man erkennt, dass die Franzosen nicht mit ihrer Hauptstreitmacht und vorsichtiger als gedacht vorrücken, wird von deutscher Seite der Gedanke an eine kriegsentscheidende große Kesselschlacht ad acta gelegt und der Plan zu einer Gegenoffensive erwogen. Rupprecht: „Wann irgendwie möglich, sollten wir unsere Aufgabe, den Gegner auf uns zu ziehen, offensiv lösen, um ihm das Gesetz [des Handelns] vorschreiben, anstatt es uns von ihm diktieren zu lassen.“

In der nun drei Tage dauernden sog. „Schlacht in Lothringen“ (20.-22. August 1914) – vom Kronprinzen auch „Saarschlacht“ genannt – liegt die ursprüngliche Absicht zugrunde, die französischen Truppen nach Möglichkeit zu umfassen und dabei entscheidend zu schlagen; der Vorstoß soll keine lange Verfolgung in Feindesland beinhalten. Das Vorhaben scheitert jedoch, da die Franzosen bis hinter Saarburg vorgedrungen sind und sich mit ihrem linken Flügel an die Befestigungen von Nancy anlehnen. Aus den bayerischen Umfassungsbewegungen entwickelt sich eine Frontalschlacht, wobei die Bayern zwar siegen, den Feind aber nicht wie geplant zerschlagen können: Die geschwächte 2. und 1. französische Armee kann sich zurückziehen und ihre neue Front in den Höhen des Grand Couronné bei Nancy, in dem Gelände zwischen Meurthe und Mosel bzw. in den Vogesen suchen.

Der Wunschgedanke einer alles entscheidenden Umfassung des Gegners wird immer unrealistischer. Kronprinz Rupprecht ordnet daher wenigstens schärfste Verfolgung bis zur Meurthe mit Flankenschutz gegen die Festungskette Nancy – Toul an. Am 22. August 1914 werden von deutscher Seite Lunéville, der zweithöchste Berg der Nordvogesen (Donon) und die Passhöhe westlich von Markirch gewonnen.

(Burger, Daniel [2014]: Die bayerische Armee im Kriegsjahr 1914, S. 78-84)

[Karte „Bei der 6. Armee bis Ende August 1914“. In: Georg von Moser, Die Württemberger im Weltkrieg, S. 18.]

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Peter Czoik