Das Ende des Märchens

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Todesanzeige für Hugo Ball

Am 14. September 1927 stirbt Hugo Ball. Hermann Hesse spürt, er hat mit

Ball den einzigen Menschen verloren, der mir geistig nahe stand, der meine Sprache ganz und gar verstand, mit dem ich über geistige Dinge bis in die Tiefe sprechen konnte. Man findet so etwas nicht wieder. Er war der einzige meiner Freunde, der mich nicht bloß gern hatte und mich aus Sympathie gelten ließ, sondern der mich verstand und die Notwendigkeit meiner Denkart und meiner gesamten Tätigkeit im Innern begriffen hat.

(Hermann Hesse: Gesammelte Briefe. Bd. II. 1922-1935. Hg. von Ursula und Volker Michels. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1979, S. 186f.)

Für Emmy bricht eine Welt zusammen:

Sie lebte in anderen Welten, obwohl ihr Kopf, ihre Hände und Beine am Tisch saßen. Eine tragische Figur, wie ich nie eine gesehen habe. Ihr Leben war zu Ende. Der Mann, der sie zur Madonna gemacht, sich ihre Weltanschauung angeeignet, den sie so tief beeinflusst hatte, dass er ihr Leben lebte wie sein eigenes, war soeben in nasser Erde versenkt worden. Das Märchen war zu Ende.

(Richard Huelsenbeck: Reise bis ans Ende der Freiheit. Verlag Lambert Schneider, Heidelberg 1984, S. 165.)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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