Emmy Ball-Hennings

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Hermann Hesse

Am 21. Februar 1920 heiraten Emmy Hennings und Hugo Ball:

Es wäre für mich leichter, irgendwie bequemer gewesen, wenn ich nur Hugos Freundin geblieben wäre, aber unser beider Schicksal war eines geworden, und obwohl der eine von uns Furcht vor dem Leben des anderen hatte  da man ja sehr fürchten kann, was man liebt – waren wir entschlossen es miteinander zu versuchen.

(Emmy Ball-Hennings: Ruf und Echo. Mein Leben mit Hugo Ball. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1990, S. 128.)

Sie lassen sich in Agnuzzo, einem kleinen Dörfchen im Tessin, nieder. Zu dieser Zeit haben sich beide vom Dadaismus bereits ab- und dem Katholizismus verstärkt zugewandt. Literarisch wurde dieser Schritt 1919 durch Emmy Hennings autobiografische Erzählung Gefängnis, in der sie ihre 1914 erlittene Verhaftung wegen Diebstahls verarbeitet, und Hugo Balls Buch Kritik der deutschen Intelligenz vollzogen.

Nachdem ich dreißig Jahre lang gegangen war, bemerkte ich urplötzlich, dass ich mich in der Sackgasse des Irrtums befand. So habe ich die Straße genannt... Einen Ausgang gibt es natürlich in einer Sackgasse nicht, man müsste denn umkehren, Das Umkehren gab mir einen Ruck. Ich glaube, beim Umkehren aus der Sackgasse des Irrtums ging meine Welt verloren. Als ich vor der hohen Mauer stand und mit Schrecken bemerkte: hier geht es nicht weiter, raste ich die ganze lange Strecke zurück, den Weg, den ich schon einmal gegangen war. Vielleicht ist beim Ausgang die Möglichkeit, meine verlorene Welt wiederzufinden.

(Emmy Hennings: Verloren. Typoskript aus dem Nachlass, zit. nach: Reetz, Bärbel [2001]: Emmy Ball-Hennings. Leben im Vielleicht. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, S. 102.)

Sie freunden sich mit Hermann Hesse an, dessen Biografie Hugo Ball in den 1920er-Jahren verfasst. Hesse wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Paar, das in bitterster Armut lebt.

Hesse brauchte eine Resonanz, einen jüngeren Anhänger, einen Govinda für seinen Siddhartha. Ball war zwar nicht viel jünger, [...] aber die neun Jahre, die sie trennten, genügten doch, ihm die Aura eines jüngeren Gefährten zu verleihen. Und Emmy [...] verhielt sich in ihrer etwas zerstreuten Art gegen Hesse immer wie eine eigenwillige, aber abhängige Tochter, begabt, aber voll jener weiblichen Unzuverlässigkeiten, die so ganz in Hesses Frauenbild hineinpassten. Für beide Balls konnte er eine Elternfigur sein [...]. Andererseits bedurfte er ihrer aber auch als brüderlich jüngerer Kritiker, die ihn ständig mit geistiger und intellektueller Nahrung versorgten.

(Freedman, Ralph [1999]: Hermann Hesse – Autor der Krisis. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, S. 290f.)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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