Stéphane Hessel

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Eugen Kogon bei seiner Zeugenaussage am 16. April 1947 im Buchenwald-Prozess

Der Sohn von Franz und Helen Hessel, Stéphane Hessel, kämpft in der Résistance, bis er am 10. Juli 1944 verhaftet wird. Er kommt ins Konzentrationslager Buchenwald, wo er den Publizisten Eugen Kogon kennenlernt, der 1946 das bis heute gültige Standardwerk über die Verbrechen des NS-Staates verfasst und in dem Kapitel „Exekution alliierter Fallschirmspringer und Geheimagenten“ die Rettung Hessels aus Buchenwald schildert:

Rettung war nur möglich, wenn die Bedrohten formell starben und nach Name und Nummer mit einem wirklich Verstorbenen ausgetauscht wurden. [...] Natürlich kam nur eine begrenzte Anzahl der Bedrohten in Betracht. Es war ein tragischer Moment als Squadron-Leader Dodkin von der Royal Air Force [...] die Auswahl in einer bestimmten Reihenfolge vornahm und von seinen Kameraden gedrängt wurde, wegen der Bedeutung seiner eigenen Person unbedingt die Spitze der Liste zu treten. Diese Engländer und Franzosen haben einen prachtvollen Geist an den Tag gelegt. Gerettet konnten dann nur drei von ihnen werden: außer Dodkin der Engländer Capitain Peuleve und der Lieutenant Stéphane Hessel vom Geheimdienst General de Gaulles.

(Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. Kindler, München 1974, S. 245f.)

Hessels Rettung glückt, er überlebt. Nach dem Krieg geht er nach New York und arbeitet am Aufbau der Vereinten Nationen mit. Sein wichtigstes Thema wird die Verteidigung der Menschenrechte.

2010 veröffentlicht er im Alter von 93 Jahren den Bestseller Empört euch!, in dem er zu einer erneuten Résistance aufruft. Übersetzt wird das Buch von Michael Kogon, dem Sohn seines alten Freundes Eugen Kogon.

Ich wünsche allen, jedem Einzelnen von euch einen Grund zur Empörung. Das ist kostbar. Wenn man sich über etwas empört, wie mich der Naziwahn empört hat, wird man aktiv, stark und engagiert. Man verbindet sich mit dem Strom der Geschichte, und der große Strom der Geschichte nimmt seinen Lauf dank dem Engagement der vielen – zu mehr Gerechtigkeit und Freiheit [...]. Die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte [...] von 1948 niedergelegten Rechte sind universell. Wann immer sie jemandem vorenthalten werden, und ihr merkt es: Nehmt Anteil, helft ihm, in den Schutz dieser Rechte zu gelangen.

(Stéphane Hessel: Empört euch! Ullstein, Berlin 2010, S. 10.)

Stéphane Hessel stirbt am 27. Februar 2013 in Paris.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl