„Jules und Jim“ in Hohenschäftlarn

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Franz Hessel

1919 übersiedelt die Familie Hessel aus Berlin nach Hohenschäftlarn bei München. Hier, in der „Villa Heimat“ in Hohenschäftlarn, beginnt im August die Liebesbeziehung zwischen Helen und Henri-Pierre Roché. Es ist der Beginn einer Dreiecksbeziehung, die Roché in seinem Roman Jules und Jim eindringlich schildert.

„Man muss“, sagte Kathe, immer wieder von vorn anfangen und die Spielregeln des Lebens neu entdecken, alles Risiken auf sich nehmen und für alles bezahlen.

Das gehörte zu den Lebensweisheiten ihres Kredos; Jim stimmte dem zu, und das verband sie. Jules war nicht dafür und nicht dagegen. Er war ein wohlwollender Zuschauer und erfand für die Erkenntnisse der beiden im Handumdrehen Bilder.

(Henri-Pierre Roché: Werke in zwei Bänden. Jules und Jim. Verlag Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2005, S. 111.)

Die romantische Vorstellung von der freien Liebe und dem aufgeklärten Zusammenleben dreier Menschen hält der Wirklichkeit nicht stand. Helen denkt über ein Leben mit Roché nach. Dieser will ein Kind von ihr, jedoch nicht, solange sie Hessels Frau ist. Zweimal bringt er sie dazu, eine Schwangerschaft zu unterbrechen.

Und falls ihr Blut in Strömen fließt
Wenn der Kleine ich entrissen wird,
Und falls sie stirbt?
Pech. Das ist ihr Berufsrisiko
Und falls ich im Alter einsam die Fäuste balle
Und nach meinem getöteten Sohn verlange
Meinem kleinen Rotschopf
Blondschopf wie sie?
Pech. Das ist mein Berufsrisiko.

(Henri-Pierre Roché: Fort mit Dir, Sohn! 2. Januar 1922. In: Marie-Francoise Peteuil: Helen Hessel. Die Frau, die Jules und Jim liebte. Eine Biographie. Schöffling & Co, Frankfurt am Main 2013, S. 155.)

Im Juli 1921 lassen sich Helen und Franz Hessel scheiden. 1922 heiraten sie erneut. Bis weit in die 1930er-Jahre hinein dauerte das komplizierte Beziehungsgeflecht der drei an, die über die Jahre auch anderweitige Beziehungen eingehen.


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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