Edgar Jaffé

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Briefmarke des neuen Volksstaats Bayern 1919

Edgar Jaffé, geboren am 14. Mai 1866 in Hamburg, studiert bei Max Weber in Heidelberg und leitet ab 1904 die Redaktion der Zeitschrift „Archiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik“. Nach ihrer Verlobung schreibt Else an ihre Freundin Marianne Weber: „Jetzt ist mir, als ob mein ganzes Leben nur einen Sinn gehabt hätte, mich mit diesem Mann zusammenzuführen – ich kann nicht sagen: ‚ich bin glücklich‘, das passt gar nicht, nur so über jedes Wort hinaus dankbar, verstehst Du.“ (Else von Richthofen an Marianne Weber. In: Ingrid Gilcher-Holtey: Modelle „moderner Weiblichkeit“. Diskussion im akademischen Milieu Heidelbergs um 1900. In: Bärbel Meurer [Hg.]: Marianne Weber. Beiträge zu Werk und Person. Mohr Siebeck Verlag, Tübingen. 2004, S. 30.) Die Ehe mit Jaffé bietet Else die Sicherheit, die sie im Elternhaus vermisst hat. Zudem Zugang zu intellektuellen Kreisen und die persönliche Freiheit, die sie braucht. 1907 erhält Jaffé einen Ruf an die Universität Heidelberg. Ab 1910 lehrt er Volkswirtschaft in München. Die Wohnung der Eheleute in der Konradstraße 16 wird zum Treffpunkte der Schwabinger Bohème.

Die Dankbarkeit der ersten Jahre übersteht die Zeit nicht. Else entfremdet sich Jaffé immer mehr. Dieser jedoch duldet zwar die Liebschaften seiner Frau, ist jedoch nicht bereit, sich von ihr zu trennen.

Der stets sehr reformorientierte Jaffé wandelt sich während des Ersten Weltkrieges zum Revolutionär. Eine Entwicklung, die dem Autor Erich Mühsam zu lange dauert:

Freitag sprach ich mit Heinrich Mann, gestern mit Professor v. Aster über die Möglichkeit, die oppositionellen Elemente der deutschen Intellektualität zu sammeln und mit ihnen irgendeine Aktion zu unternehmen, die von Wert sein könnte. Soviel ist sicher, dass es ungemein schwierig ist, auch nur den persönlichen Konnex zwischen denen herzustellen, die nicht vom Staatswahnsinn verfolgt sind. Die Herren Fischer, Wölfflin, Brentano wollen so hofiert werden, dass man von vornherein den Mut verliert. Jaffé ist ein schwankendes Rohr im Winde, der erst zu gebrauchen sein wird, wenn er seine innere Überzeugung auf die gleiche Ansicht autoritativer Namen glaubt stützen zu können. Inzwischen redet er noch öffentlich von Deutschlands wirtschaftlicher Unbesiegbarkeit. Wedekind gesteht offen zu, dass er nichts riskieren mag.

(Erich Mühsam: Tagebuch München 6. Februar 1916. In: Ders.: Tagebücher 1910-1924. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1995, S. 165.)

Nach der Revolution vom November 1918 wird Jaffé Finanzminister im ersten Kabinett des Freistaates Bayerns. In der Räterepublik ernennt ihn der Revolutionäre Zentralrat zum Volksbeauftragten für Volkswirtschaft. Nach einem physisch-psychischen Zusammenbruch infolge schwerer Depressionen stirbt er am 29. April 1921 in einer Heilanstalt in München.


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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