Intellekt und Eros: Else von Richthofen und die Heroen des Geistes

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Max Weber

Else von Richthofen war nicht nur eine der ersten Sozialwissenschaftlerinnen Deutschlands, sondern Mittelpunkt eines ganzen Liebesreigens. Geboren am 8. Oktober 1874 in Chateau-Salins, als älteste Tochter einer verarmten Adelsfamilie, wird sie zunächst als höhere Tochter erzogen, legt später aber ihr Lehrerinnenexamen ab und schreibt sich als eine von nur vier Studentinnen an der Universität Heidelberg ein. 1901 promoviert sie bei Max Weber in Nationalökonomie mit einem Thema zur Arbeitsschutzgesetzgebung. Sie steht in Kontakt mit zahlreichen Frauenrechtlerinnen und ist eng mit Alice Salomon, der Wegbereiterin der Sozialen Arbeit als Wissenschaft befreundet.

Seit 1900 arbeitet Else von Richthofen als Fabrikinspektorin in Karlsruhe. Auch auf diesem Gebiet ist sie als Frau eine Pionierin. 1902 heiratet sie zur Überraschung ihrer Umgebung den schwerreichen Nationalökonom Edgar Jaffé und zieht sich aus dem Berufsleben zurück. Die beiden ziehen nach Heidelberg und Else wird Mutter zweier Kinder, Friedrich und Marianne. 1904 beginnt Else ein Verhältnis mit dem Heidelberger Chirurgen Friedrich Voelcker, einem der Begründer der modernen Urologie.

1907 wird sie die Geliebte des österreichischen Psychiaters Otto Gross. Sie bekommt ein Kind von ihm, das Edgar Jaffé stillschweigend anerkennt. 1908 übersiedelt das Ehepaar nach München. 1909 kommt ihr gemeinsamer Sohn Hans zur Welt, im selben Jahr lernt Else ihre große Liebe Alfred Weber kennen. Gleichwohl wendet sie sich später auch Alfreds Bruder Max Weber zu, dessen Geliebte sie bis zu seinem Tode 1920 ist. Nach dem Tod von Edgar Jaffé (1921) zieht Else 1925 nach Heidelberg zurück und lebt dort Tür an Tür mit Alfred Weber bis zu dessen Tod.


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

Sekundärliteratur:

Green, Martin (1980): Else und Frieda die Richthofen-Schwestern. Deutscher Taschenbuch Verlag, München.



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