Parvus

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Alexander Helphand (Parvus)

Der fähigste Kopf der Zweiten Internationale, Lenins Mitstreiter Alexander Helphand-Parvus, lebt zu dieser Zeit in der Ungererstraße 80 in München.

Parvus war zweifellos eine hervorragende Gestalt unter den Marxisten am Ende des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts. Er beherrschte die marxistische Methode vollkommen, hatte einen weiten Blick, verfolgte alles Wesentliche in der Weltarena, was ihn bei seiner außerordentlichen Kühnheit des Denkens und einem männlichen, muskulösen Stil zu einem wahrhaft hervorragenden Schriftsteller machte.

(Leo Trotzki: Mein Leben. Versuch einer Autobiographie. Dietz Verlag, Berlin 1990. S. 159.)

1904/1905 wird Leo Trotzki bei ihm in München zu Gast sein. Gemeinsam entwickeln sie die Theorie der „Permanenten Revolution“. Bereits 1902 gründet Parvus zusammen mit dem polnischen Sozialdemokarten Julian Marchlewskij in München den Verlag slawischer und nordischer Literatur, der als erster die Werke Maxim Gorkis auf Deutsch verlegt. Dessen Drama Nachtasyl feiert in den folgenden Jahren auf deutschen Bühnen stürmische Erfolge.

Medwedew: Alle Gauner – sind schlau... Das weiß ich längst! Was sollen sie ohne Schlauheit anfangen? Ein ordentlicher Mensch – der kann auch dumm sein; doch ein Spitzbube muss Grütze im Kopf haben.

(Maxim Gorki: Nachtasyl. Anaconda, Köln 2011, S. 89.)

Ende April Anfang Mai 1901 trifft Lenin in Parvus' Wohnung auf Rosa Luxemburg, die Jahre später zu ihrer Freundin Clara Zetkin sagen wird:

Schau den da gut an! Das ist Lenin. Sieh den eigenwilligen, hartnäckigen Schädel! Ein echt russischer Bauernschädel mit einigen leicht asiatischen Linien. Dieser Schädel hat die Absicht Mauern umzustoßen. Vielleicht, dass er daran zerschmettert. Nachgeben wird er nie.

(Clara Zetkin: Erinnerungen an Lenin. Dietz Verlag, Berlin 1961, S. 8.)  


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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