Die Unbeirrbare: Elly Maldaque

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Fall Maldaque, Zeichnung von Thomas Theodor Heine, 1930. Aus: Simplicissimus, Jg. 35, Heft 24, S. 286.

Der Fall Elly Maldaque erregte 1930 deutschlandweit großes Aufsehen. Lange galt die Lehrerin als Regensburgs erstes Opfer des heraufziehenden Nationalsozialismus. Neuste Forschungen zeigen jedoch, dass ihr die Gnadenlosigkeit eines autoritären Obrigkeitsstaates zum Verhängnis wurde, der den Nationalsozialismus erst möglich machte. Geboren am 5. November 1893 in Erlangen, wuchs sie in einer deutsch-nationalen, streng religiösen Familie auf. Ab 1911 ließ sie sich in ihrer Heimatstadt zur Volksschullehrein ausbilden. Nach verschiedenen Stationen trat sie im September 1920 ihre Stelle in der evangelischen Von-der-Tann-Schule in Regensburg an. Sie war nun die erste und einzige evangelische Volksschullehrein in Regensburg. Während sie nach außen eine sportliche emanzipierte und moderne junge Frau war, litt sie zugleich immer wieder an Depressionen. Ihre engste Freundin in jenen Jahren war Irene Neubauer, die sie im Lehrerinnenseminar in Erlangen kennengelernt hatte. Neubauer war Lehrerin in Weimar und überzeugte Kommunistin. Sie war mit dem französischen Schriftsteller Henri Barbusse befreundet und nahm Elly 1929 mit zu Barbusse nach Nordfrankreich. Der Kontakt mit der politisch wachen Irene veränderte Elly Maldaques Weltbild. Sie wandte sich von der Religion ab, hin zum Kommunismus. Doch auch wenn sie Versammlungen der Arbeiterbewegung und der KPD besuchte, Parteimitglied wurde sie nie. Ihr Kommunismus war weit entfernt von deren Seminarmarxismus, er war praktischer Art. Sie versuchte, den Armen der Stadt zu helfen, organisierte Ausflüge für ihre Schülerinnen und setzte sich ein, wo immer Not am Mann war. Von ihren Schülerinnen wurde sie wie eine Heilige verehrt. Den rechtsklerikalen Kräften in Stadt und Staat allerdings missfiel ihr Engagement. Im Herbst 1929 wurde Elly Maldaque unter Beobachtung gestellt. Nachdem Irene Neubauer, die häufig bei Elly Maldaque zu Besuch war, im März 1930 im Zusammenhang mit einem Kommunistenprozess in Regensburg verhaftet worden war, wurde Elly Maldaques Wohnung durchsucht. Im Juni 1930 erhielt sie ihre Entlassung aus dem Schuldienst, obwohl sich Kollegen und Eltern für den Verbleib der beliebten Lehrerin aussprachen und ihr stets korrektes Verhalten attestierten. Da sie weder verbeamtet, noch verheiratet war, stand sie vor dem Nichts. Zwar legte sie Beschwerde ein, doch letztlich hielt sie dem Druck nicht stand und entwickelte einen heftigen Verfolgungswahn, der aufgrund der nachweislichen Überwachung ihrer Person durchaus begründet scheint. Am 9. Juli 1930 wurde sie wegen gefährlicher Geisteskrankheit unter Einsatz von Gewalt in die Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll zwangseingewiesen. Augenzeugen berichten, dass sie sich verzweifelt an die Gitterstäbe des Zauns geklammert hatte. 11 Tage später war sie tot, verstorben an Lungenentzündung und Herzinsuffizienz. Sie wurde nur 36 Jahre alt.

(Bierwirth, Waltraud; Gutmann, Luise; Himmelstein, Klaus; Petzi, Erwin [2013]: Der Fall Maldaque. Ein Willkürakt mit Todesfolge. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

Sekundärliteratur:

Baron, Bernhard M. (2009): Zum 80. Todestag: Die Lehrerin Elly Maldaque – ein Oberpfälzer Frauenschicksal. Eine biographische Spur führt in den Steinwald und ins Stiftland. In: Heimat – Landkreis Tirschenreuth 21. Pressath, S. 43-51.



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