Adele Spitzeder auf der Bühne

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Marionettentheater

Der bayerische Marionettenspieler Gabriel Gailler verarbeitete die Geschichte der Adele Spitzeder als erster Dramatiker zu einem Stück für Marionettentheater. Da Gaillers Wandertheater vor allem Südostbayern bereiste, verbreitete sich die Geschichte um den Finanzskandal bis in die entlegenen Winkel des Landes.

1973 verfasst Christine Spöcker das Stück Das Geldmensch. Darin wird die für damalige Zeitgenossen durch und durch „liederliche“ Lebensweise Adele Spitzeders thematisiert, die in Wahrheit mit einer Frau zusammenlebte.

ADELE: Wenn der Mondschei leicht
die grüne Wiesn bleicht
war so a Krack
grad mei recht Geschmack
da könnt auf da Isarbruckn
liegn mi auf n Ruckn
kannt in Himmel schaugn
in des nachtig Blau von der Isarau
Ja, ja, da kannt i mi verzuckn auf der Isarbruckn
kannt a Heiße sei
bei der Luderei
und mi ganz verbrenna beim Vulvzammarenna.

(Christine Spöcker: Das Geldmensch. Ein tragikomisches Stück über den kapitalistischen Exzess der Adele Spitzeder, Bankfrau zu München, die 1872 durch Bankrott ihrer Dachauer Bank 30860 Gläubiger ins Unglück trieb. Theater im S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1973, S. 72)

Im September 1977 wird das Theaterstück Die Spitzeder von Martin Sperr uraufgeführt. Sperr thematisiert vor allem Gier und Neid der Menschen um Adele: Gier, die Adele befriedigt, und Neid, den sie bei Konkurrenten hervorruft. 1978 erhält Sperr für sein Stück den Mühlheimer Theaterpreis.

BAUER: Es ist unserm Dorf eine Ehre, dass Sie bei uns essen, Fräun Spitzeder. Und die anderen fragen, obs nicht eine Sprechstunde halten wollen. Ein paar wärn interessiert.

ADELE: Das ist mir gar nicht recht, Vater. Weil ich heut ganz privat mit meiner Freundin einen Ausflug machen möcht.

BAUER: Schad.

PATRICIA flüstert. Wenns nicht soviele sind, würd ichs machen, Adele. Das arme Volk ist ja sonst enttäuscht.

ADELE: Gut, Vater. Bedankts euch bei meiner Freundin. Bringts euer Geld her, dann nimm ichs euch ab.

(Martin Sperr: Die Spitzeder. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1980, S. 43)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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