Bavarias Tochter

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Pfarrer Kneipp aus Bad Wörishofen

1997 erschien im Verlag Friedrich Pustet das Buch Bavarias Töchter von Marita A. Panzer und Elisabeth Plößl. Die beiden Historikerinnen porträtieren darin 81 Frauen aus fünf Jahrhunderten, die in die bayerische Geschichte eingegangen sind. Wichtig war den Autorinnen bei der Auswahl ihrer Porträts, dass die jeweilige Frau etwas Neues, Emanzipatorisches, Wegweisendes vollbracht hatte. Sympathisch oder ehrbar, mussten die Frauen keineswegs sein, dafür waren die Herausforderungen, vor denen sie standen, oft viel zu hoch. Auch Amalie Hohenester befindet sich in dem Band und wird von den Autorinnen als geschäftstüchtige, bauernschlaue weibliche Entsprechung des berühmten Pfarrer Kneipp in Bad Wörishofen geehrt.

Das gültige Gesetz verbot ohne entsprechende Vorbildung jegliche ärztliche oder heilberufliche Tätigkeit. Damit waren die Ausübenden der Naturmedizin, zumeist Frauen, vom anerkannten Heilberuf ausgeschlossen. Studierte Ärztinnen gab es damals in Deutschland noch nicht, und auch Frauen, die im Ausland studiert hatten, durften in Deutschland keine Praxis eröffnen. [...]

Amalie Hohenesters Behandlungserfolge resultieren aus einem hohen Maße an Einfühlungsvermögen sowie Kenntnissen in der Naturheilkunde und in der Urindiagnostik. Sie verordnete den Patienten Fußmärsche und Diäten sowie Wasserbehandlungen und selbstverfertigte Kräutermedizinen. Alkohol, Nikotin, Kaffee und scharfes Gewürz waren verboten. [...] Sie verlangte unbedingte Befolgung ihrer medizinischen Anordnungen. Wer sich ihr widersetzte musste das Kurbad verlassen. 

(Marita A. Panzer; Elisabeth Plößl: Bavarias Töchter. Frauenporträts aus fünf Jahrhunderten. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1997, S. 104)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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