Franz Xaver Kroetz

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Agnes Bernauer. Aus: Arthur Achleitner: Bayern, wie es war und ist. Bd. 2. 2. Aufl. Zweibrücken 1900, S. 6.

Auch im 20. Jahrhundert blieb der Bernauer-Stoff für Dramatiker interessant. Es folgten Stücke von Franz Servaes, Rosmarie Menschick, Eduard Reinacher und Agnes Miegel. Oft wurde der Stoff von Laien- und Freiluftspielen aufgegriffen, die zumeist Martin Greifs Agnes Bernauer, der Engel von Augsburg (1894) auf die Bühne brachten. Dieses besonders volkstümliche Stück mit seinen zahlreichen Sprechrollen und einer großen Anzahl Statisten kommt dem besonderen Charakter von Freiluftspielen besonders entgegen.

Einen weniger pathetischen, als vielmehr sozialkritischen Zugang bietet Franz Xaver Kroetz in seinem Bernauer Stück aus dem Jahre 1979. Er schildert die Liebe des lebensuntüchtigen Neureichensprößlings Albrecht Werdenfels zu Agnes, der Tochter des bankrotten Friseurs Bernauer. Obwohl auf dem Schloss zunächst willkommen, erträgt Agnes die Ausbeutung der Arbeiter durch ihren Schwiegervater nicht. Agnes und Albrecht wenden sich vom Reichtum ab und ziehen zu den bettelarmen Dörflern, die in Heimarbeit Rosenkränze für den Fabrikanten fertigen. Hier bringt Agnes ihr Kind zur Welt.

AGNES: Geben mir ihnen eine Mark mehr für jeden Rosenkranz. Bitte! [...]

ERNST: Du hast ein gutes Herz, behalt es! Aber das is nur die eine Seite von der Medaille. Die andere is, dass du vom Geschäft nichts verstehst. [...] Ich geb ihnen schon, was ihnen zukommt und das is nicht leicht. Wennst denen nämlich den kleinen Finger hinhaltst, wollns die ganze Hand.

(Lacht)

Musst es dir so vorstellen: Mir sind der Damm und die anderen das Meer. Die drücken. Eine undichte Stelle und mir ersaufn.

(Franz Xaver Kroetz: Agnes Bernauer. Ein bürgerliches Schauspiel in fünf Akten. Vollständig abgedr. in: Theater heute. 9. September 1979, S. 51)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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