Krinoline

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Krinoline auf dem Oktoberfest 1938. Foto: Nortz, Fotosammlung, ZBE_B0050 (Stadtarchiv München)

In da Krinoline drin hockn
Nach da drittn Maß Bier:
Da fliagst dahi wiara Flockn
Und na gspürst runde Knia.

Und de Blechmusi schallert
Und nauf geht's und ra!
Geh, Madl, wenn i zahlert,
Bleibertst no amoi da?

Herbert Schneider: In der Krinoline. In: Herbert Schneiders Hausbibliothek 3. D' Münchner Rass'. Ludwig Verlag, Pfaffenhofen 1981, S. 139

 

Es ist eigentlich keine Fahrt, was man in der Krinoline erleben kann. Die Kreisbewegung soll die Schwingungen eines Reifrocks der feinen Damenwelt um 1860 nachahmen. [...] Es spielt eine kleine Kapelle Melodien wie den Liebesbotenmarsch, den Brautnachtwalzer, die Auf-und-ab-Polka und La Paloma. Ein gemütliches Amüsement. Die traditionelle Wiesn kann man hier erleben. Man läßt sich ein wenig, ganz sanft aus der Ruhe bringen und in eine leichte Gleichgewichtsstörung versetzen.

Immer wenn ich an der Krinoline ankomme, muß ich an Karolines Satz aus Ödön von Horváths Oktoberfeststück Kasimir und Karoline denken: „Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich – aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wäre man nie dabei gewesen.“ Gebrochen hat sich in der Krinoline noch nie jemand etwas, aber Sehnsucht haben schon viele gehabt.

Bruno Jonas: Gebrauchsanweisung für das Münchner Oktoberfest. Piper Verlag, München 2010


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

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