Frauen an bayerischen Universitäten

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Charles Darwin 1881.

Eine große Hürde auf dem Weg zum Frauenstudium war die lange Zeit nicht als gleichberechtigt anerkannte Mädchenschulausbildung. 1894 gründete sich in München der „Verein zur Gründung eines Mädchengymnasiums“. Eine der wichtigsten Vertreterinnen der Münchner Frauenbewegung Clementine von Braunmühl stritt an vorderster Stelle für die Errichtung von Mädchengymnasien, die eine umfassende Ausbildung garantieren und ihren Absolventinnen endlich die Chance auf verschiedenste Berufe ermöglichen sollten. 1901 wurden die ersten dreijährigen privaten Gymnasialkurse ins Leben gerufen. Bis zur Neuordnung des Mädchenschulwesens 1911/12, als Mädchen der Zugang zu gymnasialen Klassen und zum Abitur erlaubt wurde, stellten diese Kurse die einzige Möglichkeit für Frauen dar, eine Hochschulzugangsberechtigung zu erwerben. Dabei gab Prinzregent Luitpold schon am 23. September 1903 den Startschuss für das Frauenstudium in Bayern. Auch wenn versucht wurde, Frauen durch neue Hürden, wie die Nichtanerkennung des Abiturs von Mädchenschulen oder ausländischen Gymnasien, vom ordentlichen Studium auszuschließen, und viele Frauen deshalb zunächst Gasthörerinnen blieben, war die neue Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Unter den Frauen der ersten Stunde an den bayerischen Universitäten waren Kapazitäten von Weltgeltung wie Emmy Noether aus Erlangen, eine der bedeutendsten Mathematikerinnen des 20. Jahrhunderts. Diese Pionierinnen stellten sich mutig den Vorurteilen mit denen ihnen die männlichen Kollegen begegneten und räumten mit allerlei Klischees über das blaustrümpfige „Fräulein Doktor“ auf. Ihr Auftreten läutete das Ende einer rein männlich geprägten akademischen Welt ein. Bis 1932 stieg der Anteil weiblicher Studentinnen in Bayern auf 18,8 Prozent und strafte damit all diejenigen Lügen, die über Jahrzehnte hinweg Frauen intellektuelle Fähigkeiten schlichtweg absprachen. 

Der hauptsächlichste Unterschied in den intellektuellen Kräften der beiden Geschlechter zeigt sich darin, dass der Mann zu einer größeren Höhe in Allem, was er nur immer anfängt, gelangt, als zu welcher sich die Frau erheben kann, mag es nun tiefes Nachdenken, Vernunft oder Einbildungskraft, oder bloß den Gebrauch der Sinne und der Hände erfordern. Wenn eine Liste mit den ausgezeichnetsten Männern und eine zweite mit den ausgezeichnetsten Frauen in Poesie, Malerei, Skulptur, Musik (mit Einschluss sowohl der Komposition als der Ausübung), der Geschichte, Wissenschaft und Philosophie mit einem halben Dutzend Namen unter jedem Gegenstand angefertigt würde, so würden die beiden Listen keinen Vergleich mit einander aushalten.

(Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen. Voltmedia Verlag, Paderborn 2005, S. 637)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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